Ausweg aus dem Mobbing finden

Es gibt immer einen Ausweg heißt es so schön. Rückblickend betrachtet fällt es meist nicht schwer dieser Weisheit zuzustimmen. Etwas anderes ist es jedoch, wenn wir mitten in einer Krise stecken. Dann wollen wir die durchaus vorhandenen Auswege nicht sehen. Der Grund dafür: Wir haben einen Tunnelblick und sehen nur was direkt vor uns liegt.

Lineares Denken

Eines unserer Hauptprobleme ist, dass wir unsere Zukunft nur zu gerne linear fortschreiben. Sobald wir einen Trend aus den vergangenen Geschehnisse erkennen, schreiben wir diesen einfach für die Zukunft fort. Stufen wir die Lage besonders dramatisch ein, lassen wir uns auch mal auf einen exponentiellen Trend ein (Kurve, die immer steiler nach oben geht).

Davon erhoffen wir uns, entsprechende Vorbereitung treffen zu können und dadurch letztlich die Kontrolle über unser Leben zu behalten. Dieser Ansatz funktioniert bestens, wenn uns Ursache und Wirkung bekannt sind. In Krisen hingegen kennen wir die Zusammenhänge nicht, sonst hätten wir es ja gar nicht erst soweit kommen lassen.

Wir haben nicht die Kontrolle über das, was mit uns geschieht

Über alles die Kontrolle zu haben, ist eine Illusion. Unser Ego lässt uns glauben, dass wir die Welt tatsächlich verstehen. Wenn die Einschätzungen des Egos falsch sind, gibt es anderen die Schuld oder packt uns in eine Opferrolle. Damit ist wieder eine einfache Ursache Wirkung hergestellt.

Allerdings sind nicht alle Ereignisse eine lineare Abfolge von Ursache und Wirkung. Die Welt ist deutlich komplizierter. In der Chaostheorie spricht man gerne davon, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Wirbelsturm auslösen kann. Mit anderen Worten, viele kleine und weit entfernte Ereignisse können zu spektakulären Ergebnissen führen. Diese können wir nicht einschätzen, weil sie weit außerhalb dessen liegen, was wir wahrnehmen und verarbeiten können. Unser Verstand ist eben nicht so mächtig, wie uns das Ego gerne glauben lassen will.

Das Unbegreifliche liegt außerhalb unserer Kontrolle. Dagegen wollen wir natürlich ankämpfen. Es darf einfach nicht sein, dass wir keine direkt Macht haben, die Geschehnisse zu lenken. Einfacher ist es jedoch, die fehlende Kontrolle zu akzeptieren. Ganz nach dem Motto: »Gewisse Dinge geschehen einfach« oder wie man in Costa Rica sagen würde »Pura Vida (wahres Leben)«.

Erlaubt man sich die eigene Beschränktheit zu akzeptieren, stehe einem ganz neue Lösungsansätze zur Verfügung. Das Festhalten an Kontrolle lässt uns verkrampfen und führt zu kreisenden Gedanken (weil wir mit unserem linearen Denken nicht auf eine Lösung kommen). Wir befinden uns damit in einer Art Schockstarre. Wir sehen nur noch, was direkt vor uns liegt. Dieses Phänomenen wird nicht von ungefähr Tunnelblick genannt.

Mit dem Leitspruch »Shit Happens« können wir akzeptieren, dass Dinge passiert sind und es eben nicht unsere Schuld bzw. in unserer vorigen Kontrolle lag. Mit dem Annehmen des Geschehenen öffnet sich unsere Welt dafür, wie wir mit der aktuellen Lage umgehen wollen (wo sie nun doch passiert ist). Wenn der Blick wieder frei wandern kann, können wir eben in allen Richtung ausschau halten. Irgendwo wird schon eine Tür stehen, die uns einen Ausweg ermöglicht.

Für den Ausweg müssen neue Wege gegangen werden

In der Theorie hört sich das ganz einfach an: »Mach mal locker, dann siehst Du auch den Ausweg!«. Wenn es denn wirklich so simpel wäre, würden wir über jede Krise nur lachen. Schnell mal durch die Hose atmen, sich entspannen und schwupps ist der Ausweg da…

Leider ist der Mensch ein Gewohnheitstier. Loszulassen und unangenehmen Änderungen mit offenen Armen und Freude zu begegnen fällt uns extrem schwer. Auch wenn wir es noch so wollen, stehen wir uns durch unsere Konditionierung bei solchen Herausforderung selbst im Wege. Es ist wie bei einem eingesperrten Tiger. Ist er für länge Zeit in seinem Käfig, wird er die offene Tür als seinen Ausweg nicht erkennen oder eben Angst haben, durch diese zu gehen. 

Der Käfig ist sein sicherer Ort. Hier weiß er, was ihn jeden Tag erwartet. Die Welt ist für ihn berechenbar. Er bekommt jeden Tag sein Fressen und ist keinen Gefahren ausgesetzt. Mit dem Eingesperrtsein wird er nie wirklich glücklich sein. Ab einem gewissen Punkt wird er sich daran jedoch gewöhnt haben und hat gelernt mit seinen Umständen irgendwie zu leben. Irgendwann wird er vergessen haben, wie schön es da draußen in der Freiheit sein kann. Er hat Angst vor seinem von der Natur vorgesehenen Habitat bekommen.

Seinen Ausweg aus der Misere wird der Tiger nur dann gehen können, wenn er wieder Vertrauen in das Leben gefunden hat. Er ist ja bestens gerüstet für die Welt da draußen, nur weiß er das eben nicht mehr.

Die Geschichte vom Tiger lässt sich auf den Menschen übertragen. Wir definieren uns sehr stark über unser Umfeld und unsere tägliche Routine. D.h., wenn wir eine gewisse Zeit wie in einem Käfig leben, kommen wir da so ohne weiteres auch nicht heraus. Wir können eben nur innerhalb unserer sprichtwörtlichen eigenen Beschränkung denken und handeln. 

Auszeit nehmen

»Wenn die Dinge nicht so passieren, wie Du denkst, dann denk halt anders!« heißt es so schön. »Thinking outside the box« ist ein anderer populärer Ausspruch. Um aber außerhalb der eigenen Kiste zu denken, muss man diese erst einmal verlassen.

Das Schlagwort lautet hier: »Abstand zur eigenen Lage gewinnen«. Distanz ist eine wahre Wunderwaffe, wenn es darum geht, Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass die Magie nach drei Monaten anfängt zu wirken. So lange dauert es in der Regel, um wirklich loszulassen.

Zur Feststellung der Wirkung braucht man sich keinen Wecker zu stellen. Die Effekte werden deutlich genug sein. Es fängt damit an, dass die Namen der Leute, mit denen man sonst täglich zu tun hatte, einem nicht mehr so schnell einfallen. Die nächse Stufe ist, dass man gar nicht mehr an seine Arbeit denkt. Tja und irgendwann kommt eben der Punkt, an dem man ganz anders über sein Leben denkt.

Das ist auch der Punkt, an dem sich der Geist von seiner vorigen Eingrenzung befreit hat. Unser Blick kann auf einmal wieder frei durch die Wege schweifen. Uns wird wieder bewusst, was wir alles aus unserem Leben machen können. Wo vorher vielleicht ein undurchdringlicher Wald voller Bäume erkennbar war, entdecken wir nun zwischen den Bäumen einen Pfad für uns. Und das auch noch völlig ohne Anstrengungen…

Nicht jeder hat den Luxus, drei Monate Abstand für das Finden eines Auswegs zu investieren. Allerdings sollten es schon mindestens 6 Wochen sein. Unter diesem Zeitfenster geht nicht wirklich etwas. Entscheidende Entwicklung bzw. Anstoß zu nachhaltigen Veränderungen brauchen eben seine Zeit.

Soziale Integration

Egal wie man es dreht und wendet…. Von Krankheiten wie Autismus einmal abgesehen, ist der Mensch ein soziales Lebewesen. Er braucht den Kontakt zu Mitmenschen, sonst geht er zugrunde.

Um diesen Kontakt zu seinem Umfeld aufrecht zu halten, passt der Mensch sich seiner Klique oder Kollegenkreis an. Sprache und Kleidung sind hierfür sehr auffällige Indizien. Diese Anpassung bedeutet aber auch, dass wir uns von unserem Umfeld beeinflussen lassen und ein wenig wie die anderen werden. Das hat wiederum zur Konsequenz, dass wir im Prinzip der Durchschnitt der Leute sind, mit denen wir uns umgeben.

Hierin ist auch der Grund zu finden, warum Mobbing Menschen komplett zu zerstören kann. Mobbing hat die Ausgrenzung eines Menschen zum Ziel. Ihm wird damit der Nährboden des sozialen Umfelds entzogen.

Daher ist es bei Mobbing äußerst entscheiden, schnellstmöglich wohltuende soziale Kontakte herzustellen. Idealerweise bietet sich hier die Familie und der enge Freundeskreis hat. Wer keinen direkten Zugriff auf diese Personen hat, sollte sich Aktivitäten suchen, bei denen er mit gleichgesinnten Menschen interagieren kann.

Der Kontakt zu anderen Leuten hat zudem den Vorteil, dass wir damit unser Blickfeld erweitern können. Jeder Mensch sieht die Welt durch seine (durch Erfahrungen geschulte) Augen und damit jeweils aus einer anderen Perspektive. Durch den Austausch mit neuen Leuten können wir uns ein Teil deren Blickfelds zu eigen machen. Und wie oben schon beschrieben, gleichen wir uns früher oder später den Menschen an, mit denen wir regelmäßig interagieren.

Anderen fällt es oft leichter, den Ausweg für uns zu erkennen. Das liegt zum einen am anderen Blickwinkel. Zum anderen hat der andere nicht den Stress wie derjenige, der in der Krise steckt. Er kann daher seinen Blick frei schweifen lassen. Und genau diese Sichtweisen können wir uns durch den Austausch mit anderen zu Nutze machen.

Tapetenwechsel

Ebenso wie wir uns über unser soziales Umfeld bestimmen, hat auch unsere direkt Umgebung einen Einfluss auf uns. Es fängt damit an, dass Gegenstände, Gerüche und vielleicht auch das Wetter Erinnerung an uns hervorrufen. Wenn man so willen, sitzen wir in einem Käfig und können eben nur das wahrnehmen, was im Käfig ist.

Wer einmal in ein exotisches Land als Individualtourist gereist ist, wird den Effekt einer geänderten Sichtweise bereits kennen. In einem fernen Land sind wir komplett heraus aus unserer Routine. Wir können uns nicht der Mechanismen bedienen, nach denen wir im heimatlichen Kontext eine automatisierte Routine bestreiten. 

Es warten so viele neue Eindrücke in einem anderen Umfeld auf uns, die erst einmal verarbeitet werden wollen. Damit werden unsere Gedanken automatisch auf andere Dinge gelenkt. Der Geist kann damit wieder frei in der Gegend herumschweifen. Wir bekommen damit unsere kindliche Begeisterungsfähigkeit und unseren Entdeckergeist wieder zurück. Wir fangen wieder an, aktiv zu leben und uns aktiv mit unserer (neuen) Welt auseinanderzusetzen.

Solch eine Stimmungslage, bei der wir wieder im Einklang mit unserem eigentlichen Leben stehen, hilft natürlich beim Erkennen von Auswegen. Man schaue sich nur einmal die Kollegen an, die von einer exotischen Reise an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Sie haben einerseits ein sonniges Gemüt und Stimmungslage. Zum anderen gelingt es ihnen die Dinge weniger dramatisch zu sehen und offener für alternative Lösungen und Auswege zu werden. Leider hält dieser Effekt in der Regel nicht lange an. Die Entwöhnung vom eigenen Käfig hat eben die 6-12 Wochen Grenze noch nicht überschritten.

Gottvertrauen, Fügung und Lebensweg

Die wenigsten von uns dürften den Sinn ihres Lebens kennen. Je mehr wir darüber nachdenken, desto schwieriger wird es, eine Antwort zu bekommen. In Lateinamerika macht man sich das ganze einfacher. Man erspart sich das viele Grübeln und genießt sein Leben einfach (so gut wie möglich). Damit ist auch der Glaube verbunden, dass alles irgendwie dann doch noch gut wird.

Der Glaube mag falsch sein. Allerdings habe ich bei meiner einjährigen Reise durch die neue Welt durchaus den Eindruck gewonnen, dass die Menschen dort glücklicher sind und ihr Leben einfach genießen.

Ebenfalls habe ich die Erfahrungen gemacht, dass es nicht viel braucht, um ein tolles Leben zu haben. Geld hat natürlich einen gewissen Stellenwert, da wir uns damit Freiheit erkaufen können und finanzielle Sorgen eben wegfallen. Allerdings waren meine schönsten Zeiten das Studium und meine einjährige Auszeit.

Beide Lebensphasen habe ich mit wenig Geld bestritten und einfach das gemacht, was ich mir leisten konnte. Über Glücklichwerden habe ich mir gar keine Sorgen gemacht. Einen Ausweg brauchte ich ebenfalls nicht zu suchen. Denn ich hatte mich nie so sehr verlaufen, dass ich die Hoffnung an ein weiterhin gutes Leben verlieren hätte können.

Irgendwie haben sich die Dinge immer gefügt. Im Nachhinein wurde dann das Bild auch deutlich. All die Krisen und größeren Probleme ließen mich entweder wachsen, oder zeigten mir auf, dass ich einen anderen Weg zu gehen habe. Je entspannter der eigene Geist ist, desto deutlicher lassen sich solche langjährigen Zusammenhänge auch erkennen.

Natürlich hilft der pure Glaube an ein besseres Leben nicht zur Lösung weiter. Wenn dem so wäre, bräuchten wir nur zu beten und »Gott« würde unsere Anfrage direkt beantworten.

Lernen Hilfe anzunehmen, um einen Ausweg zu finden

Aber es heißt eben auch »Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!«. Ich habe dem eigentlich nur anzufügen »Wenn Du Dir selbst nicht helfen kannst, dann bitte um Hilfe!«. Gerade als Mann ist man oft zu stolz fremde Hilfe anzunehmen oder gar nach dieser zu fragen. Schwach zu sein und sein zu dürfen, haben wir im deutschsprachigen Raum einfach nicht gelernt. Wenn die Krise erst einmal schlimm genug ist, kann man das mit dem »um Hilfe bitten« ja einfach mal ausprobieren.

Wer es sich dann einmal traut wird mit Verwunderung feststellen, wie viel Hilfe es dort draußen gibt. Natürlich liegt man als Gemobbter immer noch am Boden. Aber durch die Hilfe und Fürsorge der lieben Mitmenschen kann man eben sein Vertrauen in das Leben wieder zurück finden.

Wir werden alle früher oder später von Schicksalsschlägen, Ungerechtigkeiten und unangenehmen Überraschungen heim gesucht. Aber… genau aus diesem Grund lebt der Mensch eben in einem Sozialverband. Hier bekommt er die Unterstützung und Kraft, zu der er allein nicht fähig ist.

Es gibt auch tolle Selbsthilfegruppen und wahre Kämpferherzen, die einem gerne helfen (z.B. Mobbing Selbsthilfe MOSE). Eine andere Möglichkeit besteht darin, sich für den Ausweg bei Mobbing coachen zu lassen (z.B. von Dominik Peschke).

Fazit:

 Umgib Dich mit Leuten, die Dir gut tun, traue Dich heraus in die Welt und verharre nicht zu lange in Deinem Käfig! Das was Du sonst noch alles brauchst, wird Dir das Leben. Nur Geduld kleiner Padawan… wer es eilig hat, sollte ohne Hetze gehen.

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