Skip to content

Auszeit vom Mobbing für den Neustart ins Leben

Nimm Dir doch mal eine Auszeit, mach doch mal eine Pause! Solche Aufforderungen hat wohl jeder schon einmal in Zeiten, in denen uns unsere Probleme zu überwältigen drohten, erhalten.

An dieser Stelle wird auch gern Einstein mit folgendem Ausspruch zitiert: "Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind."

Mit anderen Worten, Abstand tut Not, um schwere Krisen wirklich bewältigen zu können. Denn, wer mitten im Geschehen steckt, sieht meistens die Auswege nicht. Auch kann man in der Regel auch nur das denken und wahrnehmen, was die Umgebung hergibt (u.a. macht sich dies die Werbung mit massiver Wiederholung ihrer Botschaften zu Nutze).

Gerade bei Mobbing trägt jede weitere Schikane dazu bei, uns in Selbstzweifeln zu verfangen. Man gerät damit in eine Abwärtsspirale. Die Kräfte schwinden und es wird immer schwieriger aus seiner Mobbingsituation herauszukommen.

Glücklicherweise wissen Ärzte um die Gefahren und Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz. Sie können zwar keine echte Auszeit verordnen, schaffen aber durch ein Krankschreibung temporären Abstand vom Mobbing. Oftmals genügen 1-2 Wochen Abstand, um zu erkennen, in welcher Lage man sich wirklich befindet. Und wie heißt es so schön... Erkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung.

Welche Dauer sollte eine Auszeit vom Mobbing haben?

Man braucht sich nichts vorzumachen: Mobbing ist ein Stich in die Seele. Solche Wunden verheilen lange nicht so schnell wie eine schwere Grippe. Auch die bekannten drei Wochen Jahresurlaub, die vielen Leuten ein neues Leben einzuhauchen scheinen, sind bei erfahrenem Mobbing bei weitem nicht genug.

Was man braucht, um halbwegs genesen zu können und auf andere (lebensbejahende) Gedanken zu kommen, sind mindestens 6 Wochen Abstand. Im Idealfall beträgt eine solche Auszeit mindestens drei Monate oder die sogenannten magischen 100 Tage.

Was hat es mit der 100 Tage Regel auf sich hat

Die Magie zieht diese Zeitspanne daraus, dass es beim Menschen ungefähr 3 Monate braucht, um neue Gewohnheiten in sein Leben zu integrieren. Anders formuliert: Drei Monate Abstand ermöglichen es unserem Hirn, wirklich Abstand zu nehmen und die Geschehnisse hinter uns zu lassen.

Aus eigenen Erfahrungen kann ich bestätigen, dass das Leben nach drei Monaten Abstand sich tatsächlich zu verändern beginnt. Es ist nicht so, dass sich etwa ein Schalter auf einmal umlegt, sondern ein eher schleichender und zunächst weitestgehend unbemerkter Prozess.

Erst im Rückblick oder wenn man mit seinem alten Umfeld konfrontiert wird, stellt man jenseits einer Auszeit von 3 Monaten fest, wie sehr man sich verändert hat. So habe ich bspw. auf einer meiner Auszeiten nach ca. 4 Monaten festgestellt, dass ich gar nicht  mehr auf der Suche nach dem Glück war. Das Thema "Streben nach Glück" gelang erst durch ein entsprechendes Gespräch am Nachbartisch eines Restaurants wieder in mein Gedächtnis. Davor hat es sich über Wochen völlig unbemerkt aus meinem Bewusstein geschlichen.

Über die vergangenen Monate hatte ich mich mit so vielen neuen und anderen Dingen beschäftigt, dass für das "alte Umfeld" gar kein Platz mehr da war. Die Suche nach dem Glück verschwand ebenso aus meinem Bewusstsein, wie jegliche Gedanken an mein altes Arbeitsumfeld. Das ganze war soweit weg, dass ich gar nicht mehr mitbekam, dass es auf einmal nicht mehr da war.

Die Auszeit ermöglichte mir, neben all dem heilenden Abstand ein neuer Mensch zu werden, der sich zudem im Hier und Jetzt befand und auf wundersame all seine vergangenen Sorgen hinter sich ließ (ohne bewusst auch nur die geringste Anstrengung dafür zu unternehmen).

Nachdem mir in mein Bewusstsein vorgedrungen war, wie toll das Leben doch sein kann, setzte die wahre Magie meiner einjährigen Auszeit ein. Aus einem Menschen, der bisher nur lebte (und einem Pfad folgte), wurde zunehmend ein Mensch, der sein Leben zu gestalten begann (und seine eigenen Wege schuf). Wer hierzu mehr wissen und in die Tiefe gehen möchte, kann ich das Buch Auszeit vom Job - Neuzeit fürs Leben ans Herz legen.

Welche Möglichkeiten sind Verarbeitung von Mobbing sinnvoll?

Reisen

Bei Abstand und neuer Umgebung denken die meisten zunächst ans Reisen. Nicht nur, dass es naheliegend ist, es kann auch eine durchaus günstige Möglichkeit sein, um aus seinem Trott einmal herauszukommen. So kann man  bspw. in Thailand mit 500-700 EUR / Monat ein durchaus angenehmes Leben führen. Hinzu kommt, dass das dortige Essen gesund ist und Thailand als ein recht sicheres Reiseland gilt, in dem man sich mit einem Standard-Touristenvisum 90 Tage aufhalten darf.

Pilgern

Aber es muss gar nicht immer gleich die Ferne rufen. Seit einiger Zeit ist Pilgern wieder in Mode gekommen. So soll der Jakobsweg dem einen oder anderen durchaus dabei geholfen haben, seine Lebenskrisen zu bewältigen und wieder zu neuem Lebensmut zu finden. Hape Kerkeling hat mit "Ich bin dann mal weg" ebenfalls ein sehr eindrucksvolles Buch geschrieben.

Schweigekloster

In eine ähnliche Richtung, aber noch näher an der eigenen Heimat bieten sich Schweigekloster an, die auch dem Normalbürger offen stehen. Die positive Wirkung von Meditation ist ohnehin unbestritten und in solchen Klöstern bekommt man sie auch als nicht Gläubiger hochdosiert.

Kurse und Seminare

Eine weitere Möglichkeit besteht darin, Seminare und Kurse zu Verarbeitung des Mobbings zu besuchen. Oftmals wählen die Trainer abgelegenere, kuschligere Orte um neben den räumlichen Abstand auch in einer Wohlfülatmosphäre zu sein. Im Prinzip handelt es sich dabei um einen Mini-Urlaub mit Therapieprogramm. Diese Variante bietet sich wahrscheinlich für all diejenigen an, die ihre Auszeit nicht allein bestreiten wollen (obwohl man natürlich auch beim Pilgern und Reisen andere Leute kennenlernt).

Wie setzt man eine Auszeit bei Mobbing durch?

Das bisher Geschriebene mag alles ganz toll klingen. Aber wie soll man das finanzieren und sich den zeitlichen Freiraum von mehreren Wochen schaffen? Man kann doch nicht einfach so ohne Job dastehen und seine sieben Sachen packen....

Eine Auszeit lässt sich natürlich nicht einfach so aus der Luft zaubern. Auch dürften die wenigsten über das erforderliche finanzielle Polster verfügen, um mehrere Monate einfach mal so zu überbrücken. Was also tun (sprach Zeuss...).

Zunächst sei gesagt, dass bei nachweislich erfolgten Mobbing (siehe auch Bedeutung des Mobbingtagebuchs bei der Beweisführung) der Arbeitgeber seine Fürsorgepflichten verletzt hat. Je besser die eigene Beweise sind und je schwerer das stattgefundene Mobbing ist, desto höher und besser sind die Chancen auf Schadensersatz.

Ich will hier keine falsche Hoffnungen machen. Selbst wenn man den besten Anwalt für Mobbing findet, lassen sich Schadensersatzansprüche meist nur schwer durchsetzen und fallen zudem recht gering aus. Aber... schwere Mobbingfälle führen oft zu einer Aufhebung des Arbeitsvertrags. Und genau hier besteht die Chance, sich die Voraussetzungen für eine Auszeit durch einen Anwalt zu erstreiten.

Welche Möglichkeiten ein Aufhebungsvertrag bieten kann

Vorweg sei gesagt, dass ein Aufhebungsvertrag NIE OHNE VORIGE PRÜFUNG EINES ANWALTS unterschrieben werden sollte, selbst wenn noch so viel Druck vom Arbeitgeber gemacht wird.

Als Mobbingopfer wird man ab einem bestimmten Punkt nicht mehr in dem Unternehmen arbeiten wollen. Der Arbeitgeber wird das ebenso sehen, zumal man durch die ganzen Schwächungen als Mobbingopfer eh keine Spitzenleistungen mehr bringen können wird.

Mit anderen Worten, eine weitere Beschäftigung macht für beide Seiten keinen Sinn mehr. Nun gibt es da aber noch einzuhaltende Kündigungsfristen (Ausscheiden vor Kündigungsfrist kann zu einer Sperrfrist beim Arbeitsamt führen). Eine Möglichkeit besteht nun darin, sich vom Arbeitgeber für die Dauer der Kündigungsfrist bei vollem Bezug des Gehalts freistellen zu lassen. Einen (Rechts-)Anspruch hat man darauf freilich nicht.

Je stärker ein Arbeitgeber vom Verschulden des Mobbing überzeugt werden kann (nötigenfalls durch eine Klage), desto eher ist er bereit, seinem Arbeitnehmer entgegen zu kommen. Gerichtsprozesse kosten nicht nur Kraft, für Unternehmen sind sie mindestens lästig und können Image-schädigend sein. Mit anderen Worten... je nach Ausgangssituation kann noch eine Abfindung mit verhandelt werden. Zusammen mit einer Freistellung wäre dann auch die für eine Auszeit erforderliche finanzielle Kompenente erzielbar.

ABER... um es hier nochmals deutlich zu machen. Weder auf Freistellung noch auf Abfindung hat man in der Regel einen Rechtsanspruch. Wie gut die Chancen dafür stehen, kann letztlich nur ein Anwalt beurteilen. Allerdings sind mir mehrere Fälle bekannt, bei denen solche Lösungen durchaus erzielt wurden.

Wirkt sich eine Auszeit nicht negativ auf die weitere Karriere aus?

Die große Sorgen (insbesondere der Deutschen) ist es, ohne Arbeit dazustehen. Allein der bloße Gedanke darin, treibt so manch einem die Schweißperlen auf die Stirn. Da fragt man sich warum eigentlich...? Standen wir nicht alle unsere ersten 18 Jahre ohne Job da und haben dabei ganz gut gelebt?

Zugegebenermaßen kenne ich diese Sorge nur zu gut. Sie war meine große Hürde, die ich zu überwinden hatte, um eine einjährige Auszeit in Angriff zu nehmen. Ich konnte damals wochenlang kaum schlafen. Bei der Übergabe meiner Kündigung hätte ich mich fast selbst übergeben.

Tja... und was soll ich sagen... Einen Job zu finden war nicht wirklich ein Problem. Klar hat es ein paar Wochen gebraucht, bis ich wieder Fuß gefasst hatte. Allerdings hatte ich nie zuvor in meinem Leben so viele Einladungen zu Bewerbungsgesprächen erhalten wie nach der Rückkehr von meiner einjährigen Reise. Irgendwie schienen die Vorteile eine Auszeit wohl deutlich für sich zu sprechen...

Als ich mich dann selbst mit Mobbing konfrontiert sah und dies zu verarbeiten hatte, wählte ich erneut eine mehrmonatige Reise als Therapie (die Grundlagen hatte ich mir vor Gericht erstritten). Der Plan ging erneut auf. Ich kam gut erholt und von meinem Leid befreit zurück und fand eine guten Job.

Beide Male hatte ich nach meinen Auszeiten einen besser bezahlten Job mit mehr Verantwortung bekommen. Damit kann ich zumindest auf Grundlage meiner Erfahrungen nur dringend zu einer Auszeit raten.

Denn wie heißt es so schön: Auszeit vom Job - Neuzeit fürs Leben (das Buch ist wirklich lesenswert).

2 Kommentar Themen
1 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
2 Kommentatoren
  Abonnieren  
neueste älteste meiste Bewertungen
Benachrichtige mich bei
Margit Heidrich

Wie wahr…bin seit 8 Wochen wieder mal krank geschrieben ….weine täglich….versuche es vor Fam . zu verstecken…..aber ist nicht ok…hab einen Freund mit dem ich diesbezüglich reden kann…und das tut mir gut….Fam. kann mich nicht versetehen…DP hat mich zum 2ten mal in die Depi getrieben…

Margit Heidrich

Jou….bin tägl. am weinen …da mich meine Kollegen in die Depi ….was soll ich sagen….allles blöd….ich bin immer die die Böse…

Scroll To Top