Kündigung bei Mobbing

Im Zusammenhang mit Mobbing wird das Wort Kündigung oftmals im gleichem Atemzug genannt. Dies liegt zum einen daran, dass der Gemobbte all den Schikanen und Demütigungen nicht mehr standhalten kann und daher nicht mehr an seinen Arbeitsplatz will. Zum anderen wird bei Bossing das Ziel verfolgt, den Mitarbeiter zur Kündigung bzw. Aufgabe seines Arbeitsverhältnisses zu drängen. Der »Wunsch« zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses kann beim Mobbing / Bossing also von beiden Seiten ausgehen.

Sicherheitshinweis / Haftungsausschluss

Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich bin kein Rechtsanwalt. Insofern sind meine nachfolgenden Ausführungen allein dazu bestimmt, für rechtliche Belange zu sensibilisieren. Mit anderen Worten: ich übernehme keinerlei Haftung für die absolute Korrektheut und Anwendbarkeit der hier geschilderten juristische Belange.

Jeder Fall ist ein wenig anders (auch wenn die Unterschiede manchmal nur in Kleinigkeiten liegen). Genau deswegen gibt es Juristen und tut gut daran, sich professionelle Hilfe in rechtlichen Belangen zu suchen anstatt allein auf investigative Internetrecherche zu bauen.

Wer bei seiner Recherche nach diesem Artikel tiefer einsteigen will, dem empfehle ich die Seite von Hensche zum Arbeitsrecht. Da ist wirklich alles in einem atemberaubende Tiefe erläutert.

Kündigung weil man es nicht mehr aushält

Mobbing kann schnell ein Maß erreichen, in dem jeder Gedanke an die Arbeit zur Folter wird. Man ist derart am Boden, dass man es am Arbeitsplatz nicht mehr aushalten würde. Anfangs wird man sich noch ein wenig Raum durch Krankschreibungen verschaffen können. Aber irgendwann ist das Maß so voll, dass man das Elend (um jeden Preis) einfach hinter sich lassen will.

Was man bei einer Eigenkündigung bedenken sollte:

Vorweg: Einfach so zu kündigen ist wahrscheinlich die schlechteste Option. Zum einen steht man ohne Job da. Zum anderen droht eine dreimonatige Sperre beim Arbeitsamt, weil man selbst gekündigt hat. Zu den Schwächungen durch das Mobbing können also finanzielle Sorgen noch dazu kommen.

Erschwerend kommt hinzu, dass ein neuer Job erst einmal gefunden werden will. Wer durch Mobbing zermürbt ist, liegt am Boden und strahlt diese Schwäche aus. Man muss wahrlich kein Hellseher sein, um eine zutiefst verletzte Seele zu erkennen. Mit anderen Worten… man schreckt potentielle Arbeitgeber durch die noch nicht verarbeitete Krise ab.

Je nach Kündigungsfrist ist das Elend mit der Kündigung noch lange nicht beendet. Es gibt durchaus genügend Sadisten auf dieser Welt, die gerne noch nachtreten, wenn jemand schon am Boden liegt und aufgegeben hat.

Fristlose Kündigung als Arbeitnehmer durchsetzen

So schlimm wie im vorigen Absatz beschrieben, muss es jedoch nicht kommen. Es gibt durchaus die Möglichkeit, seinen Arbeitsvertrag als Arbeitnehmer fristlos zu kündigen. Dies ist unter anderem dann möglich, wenn der Arbeitgeber seine Fürsorgepflicht verletzt. 

Kümmert sich der Arbeitgeber nicht um eine Mobbinganzeige und lässt Mobbing weiterhin zu, kann seine Fürsorgepflicht als verletzt gelten. Neben Durchsetzbarkeit einer außerordentlichen Kündigung können auch Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden.

Die Sperre beim Arbeitsamt kann bei dieser Variante mit ärztlicher Hilfe abgewendet werden. Bestätigt der Arzt, dass einem das Mobbing kaputt gemacht hat und die Aufgabe des Arbeitsplatz aus gesundheitlicher Sicht absolut zu beführworten ist, ist die Sperre vom Tisch. Ohne Rechtsanwalt und dessen Go würde ich diesen Weg jedoch nicht gehen.

Bevor man diesen Weg geht, sollte man sich seiner Versicherungslage noch einmal genauer anschauen. Wer wegen psychischen Problemen (Mobbing gehört dazu) beim Arzt vorstellig war, kann Probleme beim Neuabschluss von Versicherungen haben (z.B. Berufsunfähigkeitsversicherung).

Zeit für den effektiven Ausstieg heraushandeln

Wie oben bereits geschrieben, kann es durchaus schwierig sein, als Mobbingopfer einen neuen Job zu finden. Die Wunden wollen erst einmal geleckt werden. Die Heilung der Seele bedarf ebenfalls Zeit (mehr als man glauben möchte). Aus diesem Grund empfiehlt es sich bei Eigenkündigung noch eine Freistellung herauszuhandeln. 

Im Idealfall sollten es mindestens drei Monate sein. Nach der sogenannten 100 Tage Regel dauert es genau so lange, um sich an eine neue Lage oder Veränderung zu gewöhnen. Mit anderen Worten, nach 100 Tagen hat man einen gewissen Abstand gewonnen, der einen erlaubt, neue Wege wieder mit Energie gehen zu können.

Wenn der Arbeitgeber eine Kündigung erwirken will

Um einen unliebsamen oder leistungsschwachen Mitarbeiter loszuwerden, drohen Arbeitgeber gern mit Kündigung. Dies geschieht nicht immer auf direktem Weg. Manchen Firmen ist der arbeitsrechtliche Schutz von nicht leitenden Angestellten durchaus bewusst. Sie versuchen es daher oftmals auf indirektem Weg.

Die Erpressung zu einem Aufhebungsvertrag

Die einfachste Variante für einen Arbeitgeber ist es, den Arbeitnehmer in einen Aufhebungsvertrag zu drängen. Beliebtes Mittel hierbei ist, den Mitarbeiter spontan zu einem Gespräch einzuladen. Hier wird er massivst unter Druck bis hin zur Erpressung gesetzt. Ihm wird dann ein Aufhebungsvertrag vorgelegt, den er sofort unterschreiben soll. Andernfalls wird ihm mit schwerwiegenden Konsequenzen und einer Verschärfung der Lage gedroht.

An diesem Punkt brechen leider viele ein. Sie kennen ihre Rechte nicht und haben Angst vor den schweren Geschützen des Arbeitgebers. Da durch Mobbinghandlungen zermürbte Mitarbeiter ohnehin schon am Boden liegen, sind die Erfolgsaussichten für diese perfide Methode für den Arbeitgeber leider nicht so schlecht. Nicht umsonst wird das Drängen in eine Aufhebung des Arbeitsverhältnissen beim Bossing gern gewählt.

Auf dieses Spiel sollte man sich auf keinen Fall einlassen. Wenn man das Gespräch schon nicht abwenden kann, sollte man auf jeden Fall einen Betriebsrat als Zeugen mit dabei haben und auf gar keinen Fall ohne Rechtsanwalt etwas unterschreiben. Ein fairer Arbeitgeber würde für Waffengleichheit sorgen und seinem Mitarbeiter empfehlen, einen Rechtsanwalt einzuschalten.

Bei vorschneller Unterzeichnung droht nicht nur eine massive Übervorteilung des Arbeitgebers, sondern es unter anderem wieder mit einer Sperrfrist bei der Agentur für Arbeit zu rechnen. Aussichten auf einen neuen Job können sich ebenfalls verschlechtern, wenn die Inhalte und Note des Arbeitszeugnis nicht professionell geklärt wurden.

Egal ob man schon unterschrieben hat oder dazu gedrängt werden soll.. Der Tipp lautet hier: Schalte unverzüglich einen Rechtsanwalt ein!!!

Mündliches Aussprechen einer Kündigung

Wie heißt es bei Donald Trump in der Sendung The Apprentice so schön: »You’re fired!« Glücklicherweise ist eine Kündigung auf diesem Wege in Deutschland nicht möglich.

Eine Kündigung muss schriftlich erfolgen und von dazu bevollmächtigten Personen unterzeichnet sein. Bei Betrieben mit Betriebsrat muss dieser bei einer Kündigung angehört werden. Er kann die Kündigung zwar nicht verhindern. Widerspricht er dieser jedoch, ist dies bei einem Kündigungsschutzprozess durchaus hilfreich.

Aber selbst wenn der Betriebsrat einfach wegschaut oder es gar keinen Betriebsrat gibt, kann die Durchsetzung der Kündigung durch eine Klage oftmals verhindert werden.

WICHTIG: Eine Kündigungsschutzklage muss innerhalb von 3 Wochen nach Zugang der Kündigung erfolgen!!!

Der Gesetzgeber kennt hier keine Gnade. War man gerade im Urlaub oder krank, hat dies keinen Einfluss auf die dreiwöchige Frist. Wer also eine Kündigung befürchtet, hinterlegt beim Arbeitgeber entweder eine andere Adresse oder entfernt sein Namensschild am Postkasten (dann kann die Zustellung nicht erfolgen).

Sobald vom Arbeitgeber (auch wenn nur mündlich) mit Kündigung gedroht wird, sollte sofort ein Anwalt eingeschaltet werden. Manch einer erfhofft sich Hilfe vom Betriebsrat. Auf die sollte man jedoch nicht bauen. Der Betriebsrat ist nicht haftbar, wenn etwas schief läuft. Auch kennt man die »großpolitische Lage zwischen Betriebsrat und Unternehmensführung nicht«.

Die Sache mit dem Kündigungsgründen

Eine Kündigung ist schnell geschrieben, wenn kein Betriebsrat im Weg steht. Das heißt glücklicherweise nicht, dass die Kündigung auch durchsetzbar ist. Dafür gibt es in Deutschland, wie bei so vielen Dingen, strenge Regeln.

Fristlose Kündigung

Für eine fristlose Kündigung sind die Voraussetzung für deren Wirksamkeit sehr hoch. Der Arbeitnehmer muss sich hier massiv etwas zu Schulden kommen lassen haben (z.B. Diebstahl, massive Rufschädigung, Sabbotage etc.). Die Vermutung allein reicht nicht, es müssen stichhaltige Beweise geliefert werden. 

Mit anderen Worten, wenn man nicht wirklich Mist gebaut hat, kann man sich gegen eine fristlose Kündigung mit Hilfe eines Anwalts wehren. Das sollte man allein schon wegen der Sperre beim Arbeitsamt tun.

Betriebsbedingte Kündigung

Solche Kündigungen sind durchsetzbar, wenn das Unternehmen in massiven Schwierigkeiten steckt, sich aus ökonomischen Gründen von Mitarbeitern trennen muss und die jeweiligen Mitarbeiter nicht in anderen Bereichen einsetzen kann. 

Die Länge des Satzes deutet es schon an. Es ist kein leichtes Unterfangen für den Arbeitgeber. Nicht umsonst locken Firmen in der Regel mit üppigen Abfindungen, um sich von Personalüberhängen zu lösen.

Um es kurz zu fassen… Ein schlichtes wir brauchen die Abteilung nicht mehr und werden damit den unliebsamen Mitarbeiter einfach los, reicht bei weitem nicht. Bei betriebsbedingten Kündigungen ist unter die Sozialauswahl zu berücksichtigen und die Notwendigkeit explizit zu begründen. Arbeitgeber können bespielsweise bei Bossing nicht einfach so eine betriebsbedingt Kündigung konstruieren.

Verhaltens- und personenbedingte Kündigungen

Bei diesen Kündigungen geht es um Prinzip um ein Fehlverhalten (z.B. Nichtbefolgung von Anweisungen) oder darum, dass der Arbeinehmer aufgrund seiner persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten nicht mehr in der Lage ist, seine Arbeit vernünftig zu leisten.

Solche Kündigungen sind in der Regel erst durch vorher erfolgte Abmahnungen durchsetzbar. Damit soll dem Arbeitnehmer die Chance gegeben werden, sein Verhalten zu korrigieren oder Maßnahmen treffen, die ihn wieder zu seiner Arbeit befähigen.

Den Abmahnungen kann widersprochen werden. Fristen gibt es weder für die Erteilung der Abmahnung noch für den Widerspruch. Steht jedoch eine Abmahnung im Raum, tut man gut daran, sich Rat bei einem Juristen zu suchen. Letztlich ist mit dieser »Disziplinierungsmaßnahme« der Weg für eine Trennung eingeleitet. Eine wohlwollende Führungskraft wird sich zahlreicher andere Wege vor Aussprache eine Abmahnung bedienen.

Der Joker gegen Kündigungen

Ich will hier keine falschen Hoffnungen wecken. Wenn eine Kündigung ausgesprochen oder angedroht ist, wird die Luft dünn. Insbesondere bei Bossing ist davon auszugehen, dass der eigene Vorgesetzte volle Rückendeckung bei seinen Chefs hat. Man ist damit eine verbrannte Person, die kaum noch rehabilitierbar ist. Früher oder später werden sich die Wege trennen. Klar gibt es immer Ausnahmen. Auf diese zu bauen, wäre naiv.

Wenn man schon ohne eigenes Verschulden aus der Firma gedrängt wird, dann sollte man sich den Ausstieg so gut wie möglich bezahlen lassen. Geld und auch Zeit sind ein wahrer Segen, wenn es um die Neuorientierung geht. Und genau hier kommt ein potenzieller Joker zum Tragen.

Manchmal gibt es die glückliche Situation, dass gerade Betriebsratswahlen anstehen. Wer seine Karriere noch vor sich hat, wird oftmals nicht mit dem Betriebsrat in Verbindung gebracht werden. Aber, wenn man eh schon auf verlorenem Posten steht… was hat man noch zu verlieren.

Als Betriebsratsmitglied genießt man in Deutschland einen ganz besonderen Kündigungsschutz und ist damit nahezu unkünbar bzw. muss schon massiv Mist bauen. Selbst wenn man sich keine Chancen bei der Wahl auf ein Mandat verspricht, bietet selbst das Aufstellen der Wahl einen zusätzlichen Kündigungsschutz. Und auch wenn man sich nicht zur Wahl aufstellen lassen will, Wahlhelfer werden immer gebraucht. Auch sie genießen für einen gewissen Zeitraum einen besonderen Kündigungsschutz.

An der Wahl kann jeder teilnehmen, der kein leitender Angestellter ist. D.h. Selbst Führungskräft können sich aufstellen lassen. Für die unterste Führungsebene, die heutzutage regelmäßig mit Bossing konfrontiert ist, kann der Betriebsrat dann doch noch seinen Reiz entwickeln.

Mit diesem Joker erkauft man sich letztlich Zeit. Und diese Zeit ist Geld wert. Das Unternehmen will sich im hier benannten Kontext von seinen Mitarbeiter schnellstmöglich trennen. Da der Mitarbeiter verbrannt ist, kann er ohnehin nicht mehr sinnvoll eingesetzt werden. Damit wächst die Bereitschaft des Arbeitgebers, seinem unliebsamen Mitarbeiter ein attraktiveres Aufhebungsangebot zu machen.

Insbesondere bei Bossing verliert der eigene Chef mit jedem Tag, den man länger in der Firma ist an Glaubwürdigkeit. Daher wird hier gerne von einseitigen und widerrechtlichen Freistellungen Gebrauch gemacht.

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