Mediation

Mediation wir als schneller und effizienter Lösungsansatz bei zwischenmenschlichen Konflikten angepriesen. Selbst in festgefahrenen und nahezu aussichtlosen Situationen können mittels Mediation von allen Beteiligten akzeptierte Lösungen gefunden werden. Die Methodik scheint eine Wunderwaffe zu sein. Aber ist Medition auch bei Mobbing geeignet?

Was ist Mediation?

Laut Mediationsgesetz handelt es sich bei Mediation um:

ein vertrauliches und strukturierendes Verfahren, bei dem die Parteien mithilfe eines oder mehrer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung des Konflikts anstreben

Das entscheidende Grundprinzip ist die Freiwilligkeit. D.h., jede Partei kann den Prozess jederzeit (ohne Sanktionen) abbrechen. Von weiterer Bedeutung ist die Neutralität des Mediators. Nur dadurch kann gewährleistet werden, dass die Parteien sich dem Mediator anvertrauen und am Mediationsprozess freiwillig teilnehmen.

Die Aufgabe des Mediators ist es, den Kommunikationsprozess wieder in Gang zu bringen. Seine  Fragestellungen sind in die Zukunft gerichtet. Eine Bewältigung der Vergangenheit findet nur zur Klärung der jeweiligen Standpunkte und den dahinter verborgenen Emotionen statt. Der Mediator urteilt weder, noch verurteilter.  Seine Zielsetzung ist ein konstruktiver Dialog, in dem von den betroffenen Parteien Lösungansätze herausgearbeitet und schriftlich verabschiedet werden. Im Gegensatz zu einem Schlichter trägt er selbst nicht aktiv zur Lösungsfindung bei.

Der Ablauf einer Mediation

Eine Mediation wird typischerweise in den nachfolgenden fünf Phasen durchgeführt. Vor dem Start des eigentlichen Vermittlungsgesprächs finden in der Regel vorbereitende Einzelgespräche statt. Diese dienen dazu, das Vertrauen der Beteiligten zu finden und sie für die Mediation zu motivieren.

Phase 1 - die Einleitung:

Einführungsrunde durch den Mediator. Er stellt die Verhaltensgeln und Zielsetzung des Gesprächs vor. Zu den Kernregeln zählen:

  • Sich gegenseitig ausreden lassen
  • Keine Beleidigungen oder Angriffe
  • Aktives Zuhören
  • Interventionsrecht des Mediators, wenn das Gespräch aus dem Ruder zu laufen droht

Nachdem die Parteien ihr Einverständnis gegeben haben, beginnt die nächste Phase.

Phase 2 - Sichtweise der Betroffenen

Die Konfliktparteien stellen ihre jeweiligen Standpunkte und Sichtweisen vor. Sie haben so viel Zeit, wie sie dazu benötigen. Der Mediator achtet jedoch darauf, dass die Redeanteile gleichmäßig verteilt sind. Er spiegelt, was er verstanden hat und hinterfragt, wo erforderlich. Er versucht damit sicherzustellen, dass alle den jeweiligen Standpunkt auch wirklich verstanden haben.

Phase 3 - Konflikterhellung / Vertiefung

Hier gilt es, die mit dem Konflikt verbundenen Emotionen und Befindlichkeiten aufzudecken und zur Sprache zu bringen. Damit soll eine besseres gegenseitiges Verständnis für die eigentlichen Bedürfnisse der Konfliktparteien erreicht werden.

Phase 4 - Sammlung Lösungsmöglichkeiten

Die Konfliktparteien überlegen gemeinsam, wie sie ihre Meinungsverschieden beilegen wollen und wie sie zukünftig miteinander umgehen wollen. Der Mediator ermutigt die Parteien zum Brainstorming und gibt, falls erforderlich, Hilfestellungen. Er ist jedoch nicht direkt an der Lösungsfindung beteiligt. Er ist bestrebt, dass die Beteiligten das Gespräch möglichst eigenständig führen. Seine Aufgabe besteht darin, auf die Einhaltung der Regeln, eine ausgewogene Verteilung der Redeanteile und die gefundenen Lösungswege zusammenzufassen.

Phase 5 - Treffen einer Vereinbarung

Die Parteien einigen sich auf konkrete Lösungsvorschläge. Der Mediator hält diese schriftlich fest und lässt die Parteien die Einhaltung verbindlich gegenzeichnen. In vielen Fällen wird vom Vermittler ein Nachgespräch zur Überprüfung der Einhaltung angeboten 

Die Vorausetzung für eine erfolgreiche Mediation

Die eierlegende Wollmilchsau gibt es bekanntlich nicht. Mediation kann auch nur dort gut funktionieren, wo möglichst viele der nachfolgenden Voraussetzungen gegeben sind:

  • Es ist ausreichend Zeit vorhanden, es besteht also kein Zeitdruck
  • Die streitenden Parteien müssen auch in Zukunft zusammenarbeiten bzw. ihre Arbeitsbeziehung zueinander wahren
  • Die Teilnehmer müssen sich artikulieren können
  • Konflikt steckt in einer Sackgasse und bisherige Gespräche haben zu keinem Ergebnis geführt
  • Es darf keine (zu großen) Rang- und Machtunterschiede geben. In der Mediation muss Augenhöhe unter allen Beteiligten hergestellt werden können
  • Es handelt sich um persönliche Streitfälle. D.h. Es gibt keine weiteren Parteien oder außerhalb liegende Faktoren, die auf den Konflikt einwirken.
  • Der Wille zu einer einvernehmlichen Lösung muss bei allen Konfliktparteien vorhanden sein.
  • Beide Seiten erkennen an, dass ein Konflikt vorliegt.

Funktioniert Mediation bei Mobbing?

Aus den oben genannten Voraussetzung für eine erfolgreiche Mediation lässt sich bereits ableiten, dass diese Methode bei Mobbingfällen nur geringe Aussichten auf Erfolg hat. In Fällen von gegenseitigem Mobbing hingegen kann die Mediation durchaus zum Erfolg führen. Beide Parteien wären durch das Interesse, ihren Arbeitsplatz zu behalten, für diesen Lösungsansatz motiviert. Auch bei unbewussten Mobbing ließe sich der vermeintliche Mobber für ein konstruktives Vermittlungsgespräch motivieren. Wird er sich den (ungewollten / unbewussten) Auswirkungen seines Verhaltens bewusst, besteht durchaus die Chance auf eine einvernehmliche Lösung.

Warum Medition bei Mobbing nicht funktioniert:

Die Position des Mobbingopfers

Der Gemobbte will die Wiederherstellung seiner Würde, Wiedergutmachung der erlittenen Schikanen und Verarbeitung des Geschehenen. Es geht hier also um Klärung der Vergangenheit und der Schuld. Genau diese Bereiche sind explizit bei einer Mediation ausgeschlossen. 

Erzielen einer einvernehmlichen Lösung

Das Mobbingopfer dürfte ebenso wenig wie der Mobber an einer einvernehmlichen Lösung interessiert sein. Das Opfer will nach all dem Leid nicht auch noch zurückstecken müssen und dem Täter bei einer Lösung entgegenkommen. Der Mobbingtäter wiederum sieht gar keine Veranlassung dem Opfer entgegenzukommen. Er wird das Mobbing abstreiten oder nicht verstehen wollen, was das Opfer eigentlich hat und warum um »Belangloses« so ein Aufwand betrieben wird. 

Sollte sich der Täter dann auch noch sicher sein, dass er bei einer Mediation nichts gewinnen oder verlieren kann, ist seine Motivation für eine Mediation ohnehin fraglich.

Machtgefälle zwischen Mobber und Gemobbten

Der Gemobbte ist in der Regel durch die Mobbinghandlungen stark traumatisiert und entsprechend geschwächt. Er wird damit nicht auf Augenhöhe mit dem Mobber sein können. Hinzu kommt, dass er seinem Peiniger nicht auch noch gegenübersitzen und diesem seine Empfindungen auch noch offenlegen will. Damit macht er sich ja nur noch angreifbarer für weiteres Mobbing

Der fehlende Konflikt

Die Zielsetzung der Mediation ist das Lösen eines Konflikts. Im Mittelpunkt eines Konflikts steht die Auseinandersetzung zu einer Sache. Die streitenden Parteien verfolgen bei einem Konflikt die Durchsetzung ihrer Interessen. Beim Mobbing hingegen handelt es sich nicht mehr um einen Konflikt. Hiersteht die Auseinandersetzung mit der betroffenen Person bzw. diese loszuwerden im Mittelpunkt. Der Mobber hat folglich gar kein Interesse an einer Vermittlung. Mit seinen Mobbinghandlungen will er ja gezielt eine unliebsame Person ausgrenzen und zermürben.

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