Mobbingtagebuch

Bei Mobbing handelt es sich um eine systematische Isolation und Ausgrenzung des Mobbingopfers. Es kann nicht an einzelnen Mobbinghandlungen festgemacht werden. Für den Nachweis ist es erforderlich, den Ablauf der Geschehnisse mit allen einzelnen Mobbinghandlungen zu erfassen.  Genau hier kommt das Mobbingtagebuch ins Spiel.

Wozu ist ein Mobbingtagebuch nützlich?

Das Mobbingtagebuch zur Beweissicherung

Hautpziel des Mobbingtagebuchs ist es, die Geschehnisse in ihrer Gesamtheit korrekt zu erfassen. Das menschliche Gedächtnis ist kein guter Speicher. Schon nach wenigen Tagen können wir uns nicht mehr an alle Details erinnern. Nach ein paar weiteren Tagen sehen wir die Dinge möglicherweise aus einer ganz anderen Perspektive.

Aus diesen Gründen ist es enorm wichtig, einzelne Vorfälle möglichst unmittelbar schriftlich festzuhalten. Sollte man später jemanden mit seinen Mobbingvorwürfen konfrontieren, sind substanzielle Nachweise für die Beweisführung unabdingbar. Ein Rechtsanwalt wird sofort nach Beweisen fragen. Aber auch wenn man sich an betriebsinterne Stellen wendet, wird man dort etwas handfestes haben wollen. Ein Unternehmen, das Mobbing ernst nimmt, wird bei ernsthaften Vorfällen hart durchgreifen. Kann man bei der Suche nach Hilfe nichts Handfestes liefern, macht man sich schnell unglaubwürdig und fügt jemanden wohlmöglich ungerechtfertig Schaden zu.

Das Mobbingtuch zur Selbstreflexion

Neben der Beweissicherung ist das Mobbingtagebuch auch für die eigene Reflexion der Geschehnisse von hohem Wert. Schaut man sich seine Aufzeichnungen mit ein wenig zeitlichen Abstand an, hat man eine Vorher-Nachher-Betrachtung. Damit kannst Du prüfen, inwiefern sich Deine damaligen Annahmen bestätigt haben. Auch hilft ein gewisser zeitlicher Abstand, auch die eigene Wirkung auf die Geschehnisse zu erkennen. So gesehen kannst Du Dein Mobbingtagebuch auch zum Experimentieren nutzen. Probiere einfach einmal aus, welchen Lauf die Dinge nehmen, wenn Du etwas an Deinem Verhalten oder Reaktionen änderst.

Des weiteren hilft die Protollierung der Geschehnisse auch bei der Bewältigung von Selbstzweifeln. Wenn man sich im Nachhinein bei einigen Dingen nicht sicher ist, kann man einfach in seinen Aufzeichnungen nachschlagen. Die erste Beruhigung wäre damit sichergestellt.

Warst Du vorher immer ein stilles Mäuschen, dann setze Dich doch einfach mal zu Wehr.  Hast Du bereits viel gekämpft, dann versuche beispielsweise dem Mobber gezielt aus dem Weg zu gehen usw.. Probiere Dich einfach in unterschiedlichen Strategien aus und überprüfe die Reaktionen, die manchmal auch erst nach einigen Tagen oder Wochen folgen können.

Selbst wenn es noch keine ernsthaften oder Dich schwer treffenden Mobbinghandlungen gegeben hat, hilft solch ein Tagebuch zum besseren Verständnis der zwischenmenschlichen Betriebsabläufe. Gerade wenn man neu in einem Betrieb oder in einer Abteilung ist, sind Notizen immer ein prima Hilfsmittel zum Erkennen der Zusammenhänge. Das wird einem auch niemand nehmen wollen. Wer sich Notizen macht, hinterlässt normalerweise den Eindruck der Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt.

Was sollte in einem Mobbingtagebuch protokolliert werden?

Vorweg, ich persönlich rate davon ab, an ein Mobbingtagebuch zu formal heran zu gehen. Der Umgang mit dem Tagebuch wird damit nur verkrampfter. Dem einen oder anderen Kollegen wird diese »Verkampftheit« unterbewusst auffallen. Damit rutscht man von der Wahrnehmung in die Rolle eines Spitzels oder Denunzianten. Nicht, dass man damit einer ist, aber man könnte durchaus eine solche Wirkung auf sein Umfeld haben.

Es ist jedoch hilfreich die folgenden Punkte beim Führen seines Tagebuchs im Hinterkopft zu haben:

  • Was genau ist passiert?
  • Wer hat gehandelt?
  • Wann und in welchen Zusammenhang ist es zu den Handlungen gekommen?
  • Wer war alles dabei, welche Zeugen gibt es möglicherweise?
  • Wozu wurde der Angriff geführt, was wollte der Täter erreichen?
  • Wie hast Du in der Situation reagiert und was hast Du gesagt?
  • Wie haben die noch Anwesenden reagiert, haben eingegriffen oder waren passiv?
  • Welche Auswirkungen hat der Vorfall?
  • Was hat der Angriff mit Dir gemacht, wie hast Du Dich danach gefühlt?
  • Welche Auswirkungen hatte der Angriff körperlich und psychisch?
  • Wann wurdest Du nicht gemobbt und warum (Abwesenheit des Mobbers)?

Abschließende Tipps zum Umgang mit dem Mobbingtagebuch:

Es empfiehlt sich, dass Tagebuch handschriftlich zu führen. Es wirkt damit authentischer. Auch ist glaubhaft vermittelbar, dass es über einen längeren Zeitraum geführt wurde und nicht einfach nur rückwirkend zusammengestellt worden ist.

Dein Notizbuch solltest Du möglichst immer bei Dir haben und möglichst nicht auf der Arbeit liegen lassen. Solltest Du plötzlich freigestellt und damit nicht mehr in die Firma kommen können, hättest Du keinen Zugriff mehr auf Deine Beweissammlung. Notfalls kannst Du die Seiten mit Deinem Handy ja ab und an abfotografieren. Achte darauf, dass man Dir das nicht als Spionage von Firmengeheimnissen auslegt (sollte Dich beim Fotografieren einmal jemand beobachten können).

Bleibe bei Deinen Aufzeichnungen immer sachlich. Zum einen ist Sachlichkeit bei der späteren Beweisführung unabdingbar. Zum anderen musst Du damit rechnen, dass durch einen dummen Zufall Dein Buch in die Hände eines anderen fällt. Bei einer Freistellung hast Du keine Garantie, dass man nicht vielleicht auch Deinen abgeschlossenen Schrank öffnet. Denke immer daran: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste!

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