5 Phasen Modell Mobbing

Leymann hat 1993 ein 5 Phasen Modell zum typischen Verlauf von Mobbing am Arbeitsplatz beschrieben. Es ist nach wie vor einer der gängstigsten Beschreibungen. Obwohl es aus seiner Zeit stammt, in der Mobbing in der Gesellschaft nahezu unbekannt war, ist es in seinen Grundzügen nach wie vor aktuell.

Heutzutage muss ein Mobbingfall jedoch nicht mehr unbedingt alle 5 Phasen des Modells durchlaufen. Grund hierfür ist, dass immer mehr Unternehmen und Führungskräfte für das Thema Mobbing sensibilisiert sind. Es besteht daher die Chance, dass bei Mobbing von Außen (also von Unbeteiligten) eingegriffen wird und somit nicht alle Phasen vom Opfer durchlaufen werden müssen.

Das 5 Phasen Mobbing Modell nach Leymann

Mobbing Phase 1: Der Konflikt

Die Ausgangslage für Mobbing ist eine Konfliktsituation. Konflikte und Meinungsverschiedenheiten sind im täglichen Arbeitsleben nichts ungewöhnliches. Allerdings werden in der Regel konstruktiv gelöst. D.h. Die Streitparteien sind an einer Lösung interessiert und gehen nach aller Möglichkeit an das zugrundelegende Problem heran.

Beim Mobbing hingegen geht es nicht um die konstruktive Lösung eines Konflikts. Ausgangssituation ist hier oftmals ein versteckter Konflikt. Dieser kann sich beispielsweise durch eine Konkurrenz-Situation oder durch eine empfundene Bedrohung ergeben.

Der eigentliche Konflikt tritt in den Hintergrund und wechselt von der sachlichen auf die persönliche Schiene. Es kommt zu persönlichen Angriffen und einer damit oftmals verbundenen Gruppenbildung

Mobbing Phase 2: Eskalation / Etablierung von Mobbing

Traten die Angriffe in Phase 1 noch vorsichtig und versteckter auf, so wird nun das Opfer zunehmend gezielter attackiert. Der eigentliche zugrundeliegende Konflikt gerät vollständig in den Hintergrund. Das Opfer wird schickaniert, boykottiert und isoliert.

In dieser Phase entwickelt das Mobbing eine Eigendynamik. Das Opfer wird durch einen hohen Grad an Demütigungen verunsichert und destablisiert. Es ist immer weniger in der Lage sich zu wehren. Durch die Schwächung unterlaufen dem Gemobbten zunehmend Arbeitsfehler. Das Opfer kommt gerät in eine Abwärtsspirale und empfindet zunehmen Aussichtslosigkeit.

Mobbing Phase 3: Destruktive Personalabsteilung

Die Leistungsfähigkeit des Mitarbeits ist durch die massive Schwächung aus den vorigen Phasen stark eingebrochenen und deutlich sichtbar. Spätestens jetzt wird er durch Arbeitsfehler und / oder sich aus der Belastung ergebende Fehlzeiten als Störenfried öffentlich erkennbar.

Es fällt ein derart negatives Licht auf ihn, dass er nicht mehr in der Lage ist, sich zur Wehr zu setzen. Es glaubt ihm kaum noch jemand. Stattdessen ist man in der Regel geneigt, sich auf die Seite der Mehrheit zu stellen (hätte diese im Vorfeld reagiert, wäre es nicht so weit gekommen).

An diesem Punkt kann der zugrundeliegende Konflikt eigentlich nicht mehr vernünftig gelöst werden. Vorgesetzte und Personalabteilungen greifen dann oft sehr autorität und unangemessen ein. Nicht selten wird hier dem Opfer die Kündigung nahegelegt. Nicht selten greifen Arbeitgeber in dieser Mobbingphase zu Rechtsverstößen, um den unliebsamen Mitarbeiter loszuwerden.

Mobbing Phase 4: Fehldiagnosen durch Ärzte & vergebliche juristische Schritte

Ärzte, Therapeuten und andere Helfer von außen erkennen das Problem des Mobbings und dessen Folgen auf das Mobbingopfer nicht. Der Gemobbte fühlt sich daraufhin weiter isoliert. Dadurch verschlechtert sich seine Situation weiter. Fühlte er sich vorher vom Unternehmen und seinen Kollegen nicht verstanden, steht er mit seinem Problem nun fast völlig allein da.

Durch die zunehmende Aufklärung zum Thema Mobbing in der Gesellschaft hat diese Mobbingphase glücklicherweise an Schärfe verloren. Gesellschaftliche Phänomene wie Depressionen und Burnout tragen ein weiteres zur Sensibilisierung dieses Themas bei.

Das Einschalten von Rechtsmitteln bleibt bei Mobbing weiterhin schwierig. Durch die Einstufung des BGH von Mobbing als Belästigung und den hierbei greifenden AGG ist es zwar einfacher geworden Rechtsmittel einzulegen. Allerdings ist es nach wie vor schwierig bei dem oft subtil stattfindenen Mobbing etwas Greifbares in die Hand zu bekommen.

Der Gemobbte verzweifelt daher zunehmend an seiner Lebenssituation. Es kann zu posttraumatischen Belastungsstörungen bis hin Medikamentenmissbrauch kommen.

Mobbing Phase 5: Aufgabe / Ausschluss aus der Arbeitswelt

Der Gemobbte wird durch Abschiebungen und Kaltstellen aufs Höchstmaß isoliert. Die Situation hat ein Ausmaß angenommen, dass ihm ein negativer Ruf im Unternehmen vorauseilt. Versetzungen werden dadurch immer schwieriger.

Die körperlichen und seelischen Folgen des Mobbingopfers können derart schlimm sein, dass er überhaupt nicht mehr arbeitsfähig ist. Er verliert (spätestens) durch hohe Fehlzeiten seinen Job. Es folgen möglicherweise Persönlichkeitsveränderungen, Depressionen, ein Abrutschen in Süchte bis hin zum Suizid. In sehr schlimmen Fällen kann dies zur lebenslangen Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung / Erwerbsunfähigkeitsrente führen.

Das Modell von Leymann ist sehr umfangreich und zeigt auf, in welche Schärfe Mobbing möglich ist. Zum Verständnis der Zuspitzung des Mobbings am Arbeitsplatz liefert das Eskalationsmodell von Brinkmann einen anschaulicheren Ansatz.

Brinkmanns Eskalationsmodell:

Stufe 1: Subtiles Stadium

Der Mobber ist sich seiner Sache noch nicht sicher. Er tastet sich vorsichtig heran und prüft, wie weit er gehen kann und wie das Umfeld darauf reagiert.

Stufe 2: Druck Stadium

Der Mobber weiß, wie und wo er angreifen kann. Er übt seine Mobbinhandlungen spürbar direkter aus. Damit will er sein Opfer isolieren, verunsichern und in die Aufgabe zwingen.

Stufe 3: Terror Stadium

Der Mobber ist frustriert, dass er sein Opfer immer noch nicht losgeworden ist. Er greift zu noch drastischeren Maßnahmen, die in Psychoterror und offenen Sadismus abdriften.

Stufe 4: Aufgabe

Der Mobber hat sein Ziel erreicht. Diese Stufe entspricht Phase 5 aus Leymanns Modell

Zeitliche Einstufung der Schäden an Leib und Seele

Leymann und Brinkamnn gehen in Ihren Modellen auf den Ablauf des Mobbings schematisch ein. Der zeitliche Aspekt wird hierbei nicht beleuchtet. Die Dauer der Mobbinghandlung sind für die Schädigung des Mobbingopfers ein entscheidender Faktor.

Je Mobbingattacken erzeugen gravierenden sozialen Stress. Der permananter Druck ist für die Mobbingopfer zunehmend schwieriger zu verarbeiten. In besonders schlimmen Fällen kommt es zu schweren Traumatisierungen, aus denen das Opfer aus eigener Kraft nicht mehr herauskommt.

Der zeitliche Wirkungsverlauf kann dabei in die nachfolgenden drei Etappen unterteilt werden:

Ersten Tage und Wochen:

Psychische und physisches Unwohlsein tritt auf. Druck lastet auf dem Mobbing Opfer. Es fühlt sich belastet und ist irritiert.

Drei bis sechs Monate:

Beim Gemobbten bildet sich eine posttraumatische Belastungsstörung heraus. Es fühlt sich existenziell Bedroht.

Bei weiteren unbehandeltem Verlauf:

Die Persönlichkeit des Mobbingopfers verändert sich. Der Gemobbte rutscht in schwere depressive oder paranoide Schübe ab. Angststörungen und Panikattacken sind ebenso möglich. Die Gefahr zur Suchtentwicklung und Selbstmordgedanken nimmt stark zu.

Der zeitliche Verlauf zeigt deutlich, wie wichtig ein schnelles Einschreiten bei Mobbing für das Mobbingopfer ist. Neben der Schwächung des Gemobbten kommt die bei Leymann in der Phase 2 geschilderten Eigendynamik im Mobbingprozess hinzu.

Mobbing ist somit kein linearer Prozess. Es beginnt langsam und unterschwellig und nimmt ab einer gewissen Schwächung des Opfers exponentiell an Fahr auf. Häufig wird Mobbing im Unternehmen erst erkannt, wenn der Point of No Return für das Opfer bereits erreicht ist.

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