Schutz vor Mobbing

Der beste Schutz vor Mobbing am Arbeitsplatz besteht im konsequenten Nachgehen aller Mobbinghandlungen durch den Arbeitgeber. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um falsche Mobbingvorwürfe oder schwerwiegende Verfehlungen handelt.  

Mobbing findet oft im Verborgenen statt. Bevor es zuverlässig erkannt werden kann, ist in der Regel bereits eine sehr späte Mobbing-Phase erreicht. Das Opfer ist dann meist schon so sehr geschwächt und geschädigt, dass nur wenig Chance auf eine Heilung oder Besserung verbleiben (siehe auch Folgen von Mobbing). 

Genau aus diesen Gründen heißt das Motto: Wehret den Anfängen!

Jedes Unternehmen wird von sich behaupten, Mobbing ernst zu nehmen und zu verfolgen. Wieviel Substanz wirklich hinter solchen Aussage steckt, lässt sich relativ leich an den nachfolgenden Punkten erkennen.

Die Führungskultur als effektivster Schutzmaßnahme vor Mobbing

Zum Eindämmen von Mobbing müssen Personen eingeschaltet werden, die im Unternehmen mächtiger bzw. einflussreicher sind als der Mobber. Nur so kann dem Mobbingtäter überhaupt erfolgreich entgegengetreten werden. Sprich: Vorgesetzte können den Mobber in seine Schranken verweisen und nötigenfalls von den erforderlichen disziplinarischen Maßnahmen Gebrauch machen.

Führungskräften wird beim Thema Mobbing noch eine weitere Rolle zuteil. Vorgsetzte haben gegenüber ihren Mitarbeitern eine Fürsorgepflicht. D.h., sie sind dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter von negativen Auswirkungen der Arbeit schadlos zu halten. Dazu zählt natürlich auch der Schutz vor Mobbing.

Mit dem Pflichtbewusstsein des jeweiligen Chefs allein ist es jedoch noch nicht getan. Ebenso wichtig ist es, dass zwischen Mitarbeiter und Vorgesetzten ein solides Vertrauensverhältnis besteht. Ohne eine solche Basis, wird ein Mitarbeiter sich kaum mit in der Anfangsphase schwer belegbaren Mobbingvorwürfen zu seinem Chef trauen.

Ein weitere wichtiger Faktor ist die soziale Kompetenz der Führungskräfte. Die Schlagworte hier lauten: Einfühlungsvermögen, Fingerspitzengefühl und Taktgefühl. Ohne diese Fertigkeiten, wird das Opfer sich nicht wirklich »ausheulen« können. Die nachhaltige Klärung der Vorfälle wird nur durch eine Aufarbeitung und Verständnis der Gesamtzusammenhänge gelingen. Methode Holzhammer ist hier fehl am Platz.

Mobbing zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass ein sachlicher Konflikt auf die persönliche Ebene eskaliert wird. Statt die sachlichen Ursachen eine Problems zur Lösungsfindung zu nehmen, wird das Problem nur noch an einer Person (dem Mobbingopfer) festgemacht. 

Nur mit Fingerspitzengefühl kann es gelingen, zu den eigentlich Problemursachen zurück zu gelangen. Damit hat ein Unternehmen die Chance, im entdeckten Problembereich den Nährboden für Mobbing auszutrocknen. 

Sobald die Gefahr erkannt ist, können vom Management Maßnahmen zum Schutz vor Mobbing implementiert werden. Positiver Nebeneffekt ist, dass die Mannschaft bei einer so durchgeführten Aufarbeitung noch stärkeres Vertrauen zu ihrer Führungsmannschaft findet.

Warum Führungskräfte bei Mitarbeiterführung und gegen Mobbing versagen

Wie heißt es so schön: »Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken.« Top-Manager halten die Werte und Zielsetzungen ihres Unternehmens gern in Code of Conducts oder Mission Statements fest. Die gelebte Realität unterscheidet sich nicht selten ganz erheblich davon.

Es reicht eben nicht aus, zu sagen: »Ich bin ein guter Mensch«. Wer gut sein will, der muss auch Gutes tun. Den in Hochglanzbroschüren festgehaltenen heeren Zielen fehlt es schlichtweg zu häufig an ernstgemeinter Substanz. Einfach nur niederschreiben reicht nicht.

Werte und Fürhungskultur fassen nur dann nachhaltig im Unternehmen Fuß, wenn diese vorgelebt werden und das Management entsprechend geschult wird. An beiden Punkten mangelt es in aller Regelmäßigkeit.

Fehlende Führungserfahrungen im Management

Bei manchen Führungskräften fragt man sich, wie sie zu ihrer Position gekommen sind. Muss man als Sachbearbeiter noch eine gewisse Erfahrung als Eignung für das jeweiligen Fachgebiet mitbringen, so kann man Chef oftmals auch ohne jegliches Führungsgeschick werden.

Beförderungen in die Führungsebene werden teilweise vorgenommen, wenn ein guter Mitarbeiter bereits das Ende der Gehaltstabelle in der Fachebene erreicht hat. Mit der Beförderung will man den Mitarbeiter halten. Die Position wird ihm aufgrund der bisherigen guten Leistungen zugetraut. Mit seiner Führungsposition bekommt er mehr Macht und wird die Aufgabe schon irgendwie meistern.

Manchmal werden neue Führungskräfte auch dazu installiert, um neuen Schwung in den Laden zu bringen. Gerne bedient man sich dann gemessen an der Position vergleichsweise jungen Mitarbeitern. Die haben noch Energie, sind lehrbegierig und vor allem noch bedenklos gefolgsam.

Es dürfte kaum verwundern, wenn insbesondere die jungen Chefs sich mit ihrer neuen Aufgabe schwer tun. Es ist fast so, als würde man einem kleinen Kind eine Pistole in die Hand geben. Man weiß nicht, wie es damit umgehen wird und wen es versehentlich anschießt.

Warum Führungskräftetrainings so wichtig sind

Wir haben alle einmal klein angefangen. Allerdings wurden wir als Kinder an die Hand genommen, damit wir unsere Herausforderungen auch meistern konnten. Im Idealfall waren die Eltern da, um Ratschläge zu geben oder dafür zu sorgen, dass man eben das eine oder andere lernt.

Chef zu sein, sieht von außen einfach aus. Allerdings befinden sich Führungskräfte oft in Spannungsfeldern, die von außen nicht so leicht erkennbar sind. Zum einen sind sie nicht nur für ihre eigenen Fehler verantwortlich, sondern auch noch für die ihrer Mitarbeiter. Zum anderen verfügen sie über deutlich mehr Informationen, die sie aber aus Gründen der Vertraulichkeit nicht benennen dürfen. Ihre Entscheidungen oder Statements werden daher von der Mannschaft nicht immer verstanden und damit kritisiert.

Eine weiteres Spannungsfeld für Führungskräfte sind die persönlichen Befindlichkeiten ihrer Untergebenen. Als Sachbearbeiter braucht man sich einfach nur auf seinen Berg Arbeit stürzen. Wie dieser Berg sich fühlt, ist völlig egal. Als Chef hingegen tut man gut daran, auf jeden Mitarbeiter und seiner jeweiligen Persönlichkeit einzugehen. Anders wird es schwer fallen, ein harmonisches und produktives Miteinander zu gewährleisten.

Wenn ein Mitarbeiter diese Fertigkeiten noch nicht beherrscht, muss er eben entsprechend trainiert werden. 

Was ein gutes Führungskräftetraining ausmacht

Im Idealfall erhalten alle Führungskräfte das gleiche Training. So kann sichergestellt werden, dass alle Hierarchieebenen nach den gleichen Standards ihre Mitarbeiter führen und steuern. Die Mitarbeiter wissen damit wiederum, woran sie sind. Damit entsteht eine Ordnung im Unternehmen, die nachhaltigen Bestand haben kann.

Eine weitere wichtige Komponente bei solchen Trainings ist, den Managern auf den Zahn zu fühlen. In entspannten Situationen kann sich jeder korrekt und freundlich verhalten. Bei Stress sieht das jedoch ganz anders aus. Wenn Leute unter Druck stehen, zeigen sie ihren wahren Kern. Ihre Fassade können sie dann nicht mehr aufrecht erhalten.

Ich fand es immer wieder erstaunlich, wie sehr das wahre Wesen schon bei Planspielen erkennbar ist. Obwohl es nur ein Spiel ist, verbeißt sich manch einer darart daran, dass einem nur so die Ohren schlackern. Die Kunst eines guten Trainers besteht dann darin, dem jeweiligen Manager sein Verhalten und dessen zugrunde liegende Muster bewusst zu machen. Nicht jeder wird sich darauf einlassen, aber auch nicht jeder ist als Fürhungskraft geeignet.

Von einem guten Training darf man auch erwarten, dass es nachhaltige Werte und Konzepte an die Führungskrfäte weitergibt. Natürlich gibt es hier wie in der Mode alle paar Jahre einen neuen Stil. Grundlegende Prinzipien wie die Vorbildfunktion des Vorgesetzten und Begegnung auf Augenhöhe sind jedoch zeitlos.

Ein gutes Führungskräftetraining lässt die Manager zudem erkennen, dass sie alle für den gleichen (Unternehmens-)Zweck arbeiten. Solch eine Basis vereinfacht das gegenseitige Verständnis und die Vernetzung untereinander (wenn man erst einmal erkannt hat, dass man nicht in Konkurrenz steht). Dies wiederum schafft eine prima Grundlage für das Management Team hinsichtlich Mobbing-Prävention.

Das beste Indiz für eine gute Führungskultur

Woran erkennt man eine führsorgliche und eine auf Vertrauen basierte Führungskultur? Die Antwort ist ganz einfach. Der beste Indikator hierfür ist die Fehlerkultur eines Unternehmens.

Wie geht ein Unternehmen mit Fehlern und Problemen um? Wie wird derjenige behandelt, der Fehler oder Zustände kritisiert? Wie geht ein Unternehmen insbesondere mit wiederholten Fehlern um?

In vielen Unternehmen herrscht eine Angstkultur. Mitarbeiter trauen sich nicht, schlechte Nachrichten zu übermitteln oder gar Kritik zu üben. Statt Klartext zu sprechen, findet entweder eine Schönfärbung der Tatsachen statt oder es wird gleich komplett geschwiegen.

Man muss gar nicht sonderlich feinfühlig sein, um solche Signale selbst nach wenigen Tagen in einem neuem Betrieb zu erkennen. Am Anfang fühlt es sich einfach nur komisch an und man weiß es nicht recht zu deuten. Früher oder später wird man jedoch die Geschichten zu hören bekommen, die der Anlass für solche Verhaltensweisen ist.

Das Schlimme an einer Angstkultur ist, dass sie für das Management nahezu unsichtbar ist. Die Führungskräfte bekommen durchaus die Schönfärberei und Vorsicht ihrer Mannschaft mit. Allerdings erkennen sie nicht, dass sie selbst der Anlass dafür sind.

Bevor man in ein neues Unternehmen einsteigt, kann es durchaus von Vorteil sein, die Fehlerkultur zu hinterfragen. Die Frage danach wird Personaler und Führungskräfte in den meisten Fällen überraschen. Einfach mal die Antworten auf sich wirken lassen und für sich selbst ausmachen, wie authentisch und ehrlich die Antworten wirken. Je mehr die Unternehmensseite Phrasen herausdrischt oder sich meint erklären zu müssen, desto mehr ist eine Angstkultur meist gegeben.

Wenn man in seinem Leben bereits schlechte Erfahrung mit Mobbing gemacht hat, sollte man um  Unternehmen mit Angstkultur einen Bogen machen. Ein wirksamer Schutz vor Mobbing braucht man hier nicht zu erwarten. Die Leute werden sich eher wegducken, als dass sie sich gegen vermeintliche Mobber stellen oder zumindest als Zeuge zur Verfügung stehen.

Die Rolle des Betriebsrat beim Schutz vor Mobbing

In einer idealen Welt würde gar kein Betriebsrat benötigt werden. Würden die Führungskräfte ihre Fürsorgepflich vollständig ernst nehmen und ihren Schäfchen wie gute Familienmitglieder begegnen, würde Friede, Freude, Eierkuchen herrschen (kann bei kleinen Familienbetrieben durchaus der Fall sein).

Insbesondere große Betriebe sind letztlich ein Querschnitt der Gesellschaft. Soll heißen, ein paar schwarze Schafe wird es in der Herde auf allen Hierarchieebenen geben. Letztlich greift hier das Prinzip der großen Zahlen.

So wie es in jedem Staat Kontrollorgane und Gerichte gibt, so tun auch Betriebe gut an einem Betriebsrat. Im Idealfall ist er eine neutrale Instanz zwischen Angestellten und der Unternehmensführung. Die Betonung liegt hier auf neutral.

Nur wenn Neutralität tatsächlich vorhanden ist, wird der Betriebsrat von beiden Seiten zur Lösungsfindung akzeptiert werden. Leider ist diese Neutralität ist nur selten gegeben. Stattdessen finden zwischen Unternehmen und Betriebsrat regelmäßig politische Spielchen statt. Für Lösungen gegen Mobbing sind solche Schlagabtausche eher hinderlich. Wo Großpolitik stattfindet, kommt das Inviduum nicht selten zu kurz.

Das blinde Auge vieler Betriebsräte

Betriebsräte sind für die Hilfe bei Mobbing eigentlich prädestiniert. Insbesondere wenn Führungskräfte gegenüber die untersten und vermeintlich schutzlosesten Ebene seine Macht missbraucht, erkennen Betriebsräte ihr Pflicht in vollen Umfang. So weit so gut.

Problematisch wird es jedoch, wenn das Mobbingopfer selber eine Führungskraft ist. In solchen Fällen schauen viele Betriebsräte gerne weg. Das mag zum einen darin begründet sein, dass Vorgesetzte gerne in einem kritischen Licht gesehen werden. Das Motto lautet hier: Geschieht ihm recht, seine Leute geht er selber auch hart an. 

Zum anderen ist insbesondere die unterste Managementebene Angriffen durch Bossing ausgesetzt (Verfehlen der Zielvereinbarung wird mit Kündigung bestraft). Für die Lösung solcher Fälle müsste sich der Betriebsrat mit höheren Managementebenen (von denen das Bossing ausgeht) auseinandersetzen. Da Mobbing oftmals im Verborgenenen stattfindet, fällt die Beweisführung gegenüber dem höheren Management besonders schwer. Hier werden Zahlen, Daten und Fakten erwartet. In Unternehmen mit Angstkultur wird sich auch ein (nicht völlig unantastbarer) Betriebsrat dreimal überlegen, in welcher Schärfe er den Vorfällen nachgeht.

Zivilcourage als Mobbing-Prävention

Wie heißt es so schön: Wer sich nicht gegen Mobbing stellt, unterstützt es. Wenn über die Handlungen der Mobber hinweg gesehen wird, können diese mit ihrem perfiden Spiel einfach weiter machen.

Menschen, die über eine hohe Reife und Selbstbewusstsein verfügen, müssten eigentlich sofort einschreiten, wenn ihre Kollegen nicht anständig behandelt werden. Wehret den Anfängen gilt auch hier. Aber es wird schon seinen Grund haben, warum Leute die ihre mahnende Stimme erhoben haben, heute als Helden in den Geschichtsbüchern stehen.

Es braucht eben sehr viel Zivilcourage, um ein Martin Luther King, Mahatma Ghandi oder Nelson Mandela zu sein. Diese Menschen haben die Stärke verkörpert, die wir uns tief in unseren Herzen nur zu sehnlichst wünschen. Diese Leuchttürme haben ganze Länder mit Licht gefüllt. 

Wann endlich zünden wir unsere Kerze an und stehen für unsere Werte ein? Was kann ein Leben Wert sein, wenn es nur in Angst gelebt wurde? Wozu leben wir eigentlich, nur um zu existieren oder um endlich dafür zu sorgen, dass das Leben für alle lebenswert ist?

Fehlende Zivilvourage bemängeln wir nur zu gerne an anderen. Aber wie ist es um uns selbst bestellt? Genug der vielen Worte… Sollte dieser Artikel eines bewirkt haben, dann hoffentlich, dass Du Mobbing in Deinem Umfeld nicht schweigend zur Kenntnis nimmst oder Dich gar wegduckst.

Wie einst Mahatma Ghandi sagte: Be the change you want to see in the world. Sei die selbst die Veränderung, die Du in der Welt sehen willst.

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