Selbstzweifel bewältigen

Selbstzweifel sind etwas ganz normales bei Mobbing. Wenn man zum Mobbingopfer geworden ist, fragt man sich automatisch: »Warum passiert das gerade mir?« Anfangs mag man die Frage noch abschütteln. Wenn die Mobbinghandlungen jedoch heftiger werden, kreisen die Gedanken automatisch um die Frage: »Was habe ich falsch gemacht?«.

Das schlimme an solchen Selbstzweifeln ist, dass man sie von der Arbeit mit nach Hause nimmt. Dort nagen sie dann weiter an einem und lassen einen nicht mehr zu Ruhe kommen. Die Selbstzweifel tragen stärker zur Zermürbung der Seele bei, als die eigentlichen Mobbinghandlungen. Genau das macht sie so gefährlich. Daher ist es wichtig, schon den ersten aufkommenden Selbstzweifeln entschieden entgegenzutreten.

Sofortmaßnahmen bei Selbstzweifeln:

Abstand zu schädlichen Leuten gewinnen

Wie heißt es so schön: Steter Tropfen höhlt den Stein. Wenn man durch Demütigungen und Schikanen Minderwertigkeit vorgespielt bekommt, glaubt man es früher oder später. Das Prinzip der ständigen Wiederholung ist der Hauptfaktor, warum Werbung so gut funktioniert.

Natürlich ist es nicht immer so einfach, sich seinen Peinigern zu entziehen. Allerdings kann man einen Ausgleich herstellen, indem man verstärkt wohltuende Menschen in sein Leben holt. Familie und Freunde kennen die eigenen Qualitäten oft besser als man selbst.

Bevor Du anfängst, Deine Selbstzweifel zu glauben, konfrontiere doch einfach Dir vertraute Personen damit. Sie werden Dir helfen, ein obkjektiveres Bild zu bekommen. Zudem ist durch das Vertrauensverhältnis sichergestellt, dass Du deren Meinung mehr wertschätzen wirst, als die des Mobbers. Damit wäre dann der erste Schritt für die Heilung eingeleitet.

Tagebuch schreiben und die Selbstzweifel versachlichen

Die eigene Erinnerung ist ein schlechtes Werkzeug. Zum einen können wir uns nach drei Tagen schon nicht mehr an viele Details erinnern. Zum anderen neigen wir dazu, die Vergangenheit rosiger oder dramatischer zu gestalten. Insbesondere bei traumatischen Erfahrungen besteht das Potenzial, die Vergangenheit umzudeuten. Mit unseren Selbstzweifeln versuchen wir so, einen Sinn in die Geschehnisse zu bringen.

Ein Mobbingtagebuch hilft dabei, die Geschehnisse zu versachlichen. Das Führen eines Tagebuchs hilft schon durch das alleinige Erfassen der Vorkommnisse. Mit der Niederschrift sind die Tatsachen erst einmal festgehalten. Damit kann man ein Stück davon loslassen und muss sich nicht mehr das Hirn zermartern, was wirklich vorgefallen ist.

Wirklich wertvoll werden die Aufzeichnungen, wenn damit mehrere Tage erfasst wurden. Dann nämlich helfen die neutralen und nicht durch das Gedächtnis verfälschten Rückblicke dabei, sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen. Mit dem Zusammenfügen fer einzelnen Puzzlteile wird das Bild auf einmal sichtbar bzw. erkennbar.

Bei Mobbing handelt es sich um Handlungen, um eine Person fertig zu machen und ausugrenzen. Das Opfer selber kann dafür nichts. Selbst wenn man Fehler gemacht haben sollte, so lassen sich die daraus enstandenen Probleme und Konflikte auch sachlich lösen. Mit anderen Worten, durch das Tagebuch kann man seine Rolle und die der anderen deutlicher erkennen. Dort wo Klarheit ans Licht kommt, bleibt für Selbstzweifel nicht mehr viel Raum.

Sich seiner Lebensziele wieder klar werden

Selbstzweifel entstehen unter anderem dadurch, dass das Erlebte mit dem Erwarteten im Widerspruch steht. In einer zivilisierten Welt darf man eigentlich davon ausgehen, dass Mobbing keine Chance haben dürfte. Dennoch passiert es und führt nicht selten zu einer Lebenskrise.

Das eigene Weltbild kann damit derart ins Wanken kommen, dass die eigene Welt auf einmal auf dem Kopf steht. Selbstzweifel werden dann von Orientierungslosigkeit begleitet. So schlimm das alles auch ist, kann eine solche Krise auch eine große Hilfe sein. Wir verennen uns im Leben manchmal derart, dass wir ganz vergessen, wo wir eigentlich hin wollten.

Genau dann bietet sich die Krise dazu an, sich seiner Ziele im Leben einmal wieder bewusst zu werden. Wo wollte man eigentlich einmal hin? Wo ist man angekommen? Und könnte es das Schicksal wohlmöglich mit einer Ausgrenzung und dem Zeichen, dass man dort nicht hingehört, vielleicht gut meinen?

Natürlich kann es auch sein, dass man sich am richtigen Platz fühlt und dort auch die richtigen Aufgaben hat. Dann kann das Mobbing eventuell eine Aufforderung dafür sein, für sich zu kämpfen und anderen Grenzen aufzuzeigen.

Bei diesem Ansatz sollte man jedoch aufpassen, nicht zu viel nachzudenken. Damit würdest Du wiederum Dein Hirn zermartern und die Situation nicht verbessern.

Den Kopf wieder frei bekommen 

Gegen destruktive, sich ständig wiederholende Gedankenmuster kann man sich bei Schwäche kaum wären. Einfach an etwas anderes zu Denken ist nur ein Versuch der Unterdrückung. Früher oder später kommt das eigentliche Problem dann ja doch meist mit noch mehr Schwung wieder hoch.

Genau hier kommt ein Ansatz zum Tragen, der den Gedanken ihre negative Energie nimmt. Sport heißt das Zauberwort mit Ausdauersport oder auspowernder Kraftsport als Mittel der Wahl.

Wenn das Blut erst einmal richtig pulsiert und körperliche Anstrengung gefordert ist, gerät der Kopf in den Hintergrund. Die zur Verfügung stehende Energie geht eben genau da hin, wo sie benötigt wird. Der Kopf wird damit im wahrsten Sinne des Wortes wieder frei.

Damit sind die Sorgen erst einmal weg. Regelmäßig betriebener Sport führt zudem zu mehr Ausgeglichenheit. Sport sagt man auch nach, eines der besten Mittel gegen Depressionen zu sein. Wenn der Puls rast und man aus allen Poren schwitzt, dann fühlt man wieder seine Lebendigkeit und stellt fest, dass man eben nicht nur Kopf und Sorge ist.

Sich seiner Stärken wieder bewusst werden

Niemand geht ohne Krisen und schwerwiegende Probleme durch sein Leben. Rückblickend betrachtet, sieht vieles gar nicht  mehr so schlimm aus. Schließlich haben wir bis zum heutigen Tag all unsere Probleme irgendwie gemeistert. Umgebracht hat uns keiner der anfangs schier aussichtslosen und hoffnungslosen Siuationen. 

Und dennoch haben wir es irgendwie geschafft. Manchmal war es auf ein Wunder zurückzuführen. Andere Mal haben wir die benötigte Hilfe bekommen oder die Dinge haben sich einfach anders als erwartet entwickelt. Im Ergebnis bleibt, wir haben all das überlebt und sind oftmals gestärkt aus unseren Krisen hervorgegangen.

Allein sich seiner vergangenen Erfolge und Stärken wieder bewusst zu werden, kann zu mehr Gelassenheit in der aktuellen Krise führen. Eines solches Bewusstsein hilft, wieder Vertrauen ins Leben zu finden. Vertrauen ist der Gegenpol von Selbstwweifeln. Dort Zuversricht und Gewissheit gedeihen, haben Sorgen keinen Raum mehr.

Eine Auszeit nehmen und die Tapeten wechseln

Als ersten Punkt hatte ich empfohlen, sich dem schädlichen Geschehen möglichst zu entziehen. Mit der Empfehlung einer Auszeit gehe ich noch einen Schritt weiter. 

Manchmal ist es durchaus hilfreich, seine Umgebung komplett zu verlassen. Es gibt dort einfach zu viele Dinge, die mit diversen Erinnungen verbunden sind. Oder anders gesagt: Wie will man auf andere Gedanken kommen, wenn man täglich immer das gleiche um sich herum hat?

Mit einer Reise in ein exotisches Land kann man seine gewohnte Umgebung schlagartig völlig umkrempeln. In einem kulturell fernen Land wird es wenig Chancen für das Abrufen von Erinnerungen geben. Für das Hirn gilt es viele neue Eindrücke zu verarbeiten. Damit wird man wieder zum kindlichen Erkunder. Man entdeckt neue Dinge. Mit neuen Eindrücken beginnt man, seine bisherige Welt aus einem andern Winkel zu sehen. Und voila… der Weg für neue Gedanken ist geebnet.

Da man immer eine gewisse Zeit für das Einlassen auf eine neue Umgebung braucht, solltest Du Dir für eine Reise mind. 3 Wochen Zeit nehmen. Falls Dir soviel Urlaub nicht zur Verfügung steht, probiere es doch einfach mal mit einer mehrtägigen Wanderung durch freie und unberührte Natur. Auch das kann schon Wunder wirken, um mal auf andere Gedanken zu kommen.

Meditation zum Ordnen der Stimmen im Kopf

Je stärker die Selbstzweifel sind desto wilder ist das Durcheinander der Stimmen in unserem Kopf. Es scheint bald so, als würden sie Krieg führen. Dabei gehören all diese Stimmen irgendwie zu uns. Wie kann man sie leiser oder ganz zum Stillschweigen bringen?

Die Zauberformel heißt: »In sich hinein hören«

Zugegeben das klingt fast eine Spur zu einfach. Meditieren klingt da einfach besser. Im Grunde genommen ist es jedoch ein in sich Hineinhören und einfaches Wahrnehmen der Geschehnisse. In dieser Einfachheit liegt das Geheimnis der Meditation.

Statt sich mit den Stimmen in Kopf zu unterhalten, konzentriert man sich einfach nur auf deren Wahrnehmung. Das heißt explizit, dass man sich nicht mit diesen Stimmen unterhält und Ihnen damit zusätzlichen Raum gibt. Einfach nur zuhören und staunen, was da alles so im Kopf herumschwirrt. Nicht bewerten, einfach nur wahrnehmen.

Bei regelmäßiger Übung kommt man früher oder später zu der Feststellung, dass die ganzen Stimmen nur viele Teile von uns sind. Sie kommen und gehen einfach. Und…. diese Stimmen sind nicht wir selbst.

Mit dieser Erkenntnis gelingt es, Abstand zu der wilden Gedankenwelt zu bekommen. Durch das Wahrnehmen der Gedanken schenkt man diesen Aufmerksamkeit. Man unterdrückt damit seine Gedanken und nimmt ihnen damit die Macht, mit aller Kraft wieder hochkommen wollen.

Der Vorteil von geführten Meditationen

Das Problem beim Meditieren ist anfangs, in Selbstgespräche abzudriften. Damit wird das Gedankenkarusell auch noch angeheizt. Daher empfehlen sich für den Anfang vor allem geführte Meditationen. Normalerweise gibt es in jeder Stadt VHS Kurse oder Gruppen, denen man sich einfach anschließen kann.

Eine andere Alternative sind Meditions-CDs oder eine der vielen Streaming Angebote. Sogenannte binaurale Meditionen kann ich ebenfalls sehr empfehlen. Dabei werden Frequenzmuster mit eingespielt, die unserem Gehirn in einen entspannteren Zustand bringen können.

The Work: Ist es wirklich wahr

Meditation ist eine indirekte Art, um den Umgang mit seinen Gedanken zu lernen. Im Gegensatz dazu geht die Methode »The Work von Byron Katie« nagende Gedanken direkt an. Mit The Work werden Gedanken identifiziert und solange hinterfragt, bis Klarheit herrscht. Das tolle daran ist, dass es sich um eine einfache Fragetechnik handelt.

Die vier Fragen von The Work:

  • Ist es wahr?
  • Kannst Du mit absoluter Sicherheit wissen, dass es wahr ist?
  • Wie reagierst Du, was passiert, wenn Du diesen Gedanken glaubst?
  • Wer wärst Du ohne diese Gedanken?

Im Prinzip handelt es sich bei dieser Methode um einen spielerischen Ansatz zum Hinterfragen der eigenen Gedanken. Wir neigen gern dazu, uns in unser Elend hinein zu steigern. Auch ist das Hirn geneigt, aktuelle Entwicklungen für die Zukunft linear fortzusetzen. Mit strukturierten Hinterfragen der Gedanken und Überprüfung der Sichtweise kann das negative Fortschreiben des eigenen Lebens aufgebrochen werden.

Ähnlich wie bei der Meditation kann es auch hier von Hilfe sein, sich einer Person für die Durchführung der Methode anzuvertrauen. Auch hierfür sollte sich bei fast jeder VHS ein Kurs finden lassen.

Der Weg zum Arzt, wenn gar nichts anderes hilft

Manchmal kann es uns so heftig treffen, dass wir zur Selbsthilfe nicht mehr in der Lage sind. Bei mir kam diese Erkenntnis, als ich 10min vor dem Brotregal stand und mich einfach nicht entscheiden konnte. Wenn es einen so hart trifft, dann geh zum Arzt!

Falscher Stolz ist bei Schwäche nicht angebracht. Gerade Männer tun sich schwer damit, um Hilfe zu bitten. Damit kenne ich mich selber auch sehr gut aus. Gerne will man stark sein und sieht, dass andere ihre Probleme scheinbar mit Leichtigkeit in den Griff bekommen.

Nun, die Welt ist voller Blender. Lernt man einen Mensch erst einmal richtig kennen, wird man von seinen Krisen und seiner Zerbrechlichkeit erfahren. Da sind wir Menschen letztlich alle gleich. Nur wissen wir manchmal nicht darum.

Der Weg zum Arzt ist keine Schande. Bei Zahnschmerzen würden wir sofort zum Arzt gehen. Psychische Leiden hingegen sind mit einem Stigma versehen. Für fürchten uns davor, als verrückt abgestempelt zu werden. Wirklich verrückt wäre es jedoch, unser Leiden nicht behandeln zu lassen und in tiefe Depressionen abzustürzen.

Wenn der Kopf vor lauter Gedanken fast zerspringt, wird eine Arzt wahrscheinlich Beruhigungsmittel verschreiben. Davor hatte ich damals ziemliche Angst. Irgendwie hatte ich damit das Bild vor Augen, früher oder später in eine Abhängigkeit zu rutschen.

Zum Glück gibt es auch harmlosere Beruhigungsmittel. Bei mir hat ein homöophatischen Mittel sehr gut geholfen. Durch die Ruhe im Kopf bekam ich meine Schlafprobleme in den Griff. Damit bekam ich Zug um Zug auch die Kraft zurück, um meine Probleme konstruktiv anzugehen.

Wie man nicht mit seinen Selbstzweifeln umgehen sollte

Mit Ausnahme des Gangs zum Arzt, zielen alle genannten Methoden zielen darauf ab, sich mit seinen Selbstzweifeln auseinander zu setzen. Man kann nicht einfach vor seinen Problemen flüchten oder diese unterdrücken. Damit werden sie zu Rebellen und kommen früher oder später um so heftiger zurück.

Das ist auch der Grund, warum ich hier keine Vorschläge mache wie:

  • Das Leben geht weiter, mache einen Haken dran!
  • Immer positiv denken
  • Schluck Deine Angst herunter und mach einfach weiter
  • Mach Dir keine Sorgen, es ist alles nur halb so schlimm. Am Ende wird alles gut.
  • Mit den richtigen Affirmationen klappt das schon. Du musst nur dran glauben.

Natürlich ist es schmerzhaft sich mit seinen Traumata auseinander zu setzen. Aber so wie jede Wunde gereinigt und je nach Größe genäht werden will, so brauchen Selbstzweifel für die Heilung auch eine umfangreiche Behandlung. 

Das einzig Gute an all dem Elend ist, dass man nach der Bewältigung gestärkt in die Zukunft geht. Ganz nach dem Motto: Was Dich nicht umbringt, macht Dich nur stärker. Die Stärke kommt jedoch erst dann, wenn man sein Problem gemeistert hat. Durch Passivität und Lethargie wird man hingegen auf Dauer in seinem Elend verweilen.

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