Einer der Hauptgründe für Mobbing ist in der Andersartigkeit des Opfers gegeben. Wer sichtbar aus seiner sozialen Umgebung heraussticht, weil er bspw. deutlich dünner, dicker, größer, kleiner, eine andere Hautfarbe oder eine ungewöhnliche Haarfarbe hat, ist oftmals ein leichtes Ziel für Mobber. Insbesondere Kinder können hier sehr grausam sein. 

Erwachsene können damit üblicherweise besser umgehen. Hat jedoch jemand eine von außen deutlich sichtbare Erkrankung, gehen selbst Erwachsene auf Abstand. Damit grenzen sie - wenn auch ungewollt - den Betroffenen.

Ein Ansatz besteht darin, über das »Andere« aufzuklären. Damit soll die Fremdheit genommen und Akzeptanz geschaffen werden. Aufklärung hat sich als Königsweg bei  Mobbing etabliert, wie man u.a. an den zahlreichen »Stoppt Mobbing« Initiativen erkennen kann. Aber wie so oft im Leben, führen viele Wege nach Rom…

Neulich wurde mir eine wunderbare Geschichte erzählt, die einen der oftmals übersehenen Pfade aufzeigt. Sie hat mich derart ergriffen, dass ich sie hier teilen möchte. 

Sie nannten ihn den Jungen mit den toten Händen

Vor Jahren habe ich als Betreuer in einem amerikanischen Ferienlager für Kinder im Alter von 9-12 Jahren gearbeitet. Eine junge Mutter registrierte ihren Sohn Carl für das Ferienlager. Carl war ein sichtbar fröhlicher 9-Jahre alter Junge. Er strahlte bis über die Ohren und konnte es gar nicht erwarten, endlich ins Ferienlager zu dürfen.

Seine Mutter füllte die Formulare aus und wollte danach noch kurz vertraulich mit mir sprechen. Sie erklärte mir, dass ihr Sohn an einer Krankheit leidet. Die Haut seiner Hände schälte sich ständig ab, so als wenn man einen Sonnenbrand haben würde. Sie erklärte mir, dass die Krankheit nicht ansteckend sei. Auch ließ sich mich wissen, dass Carl mit seiner Andersartigkeit bestens umgehen kann und ich die anderen Kinder nicht »vorzuwarnen« brauche.

Ich war ein wenig erstaunt. Karl schaute mich verschmitzt an und riss seine Hände hoch, so als würde er gerade in einer Achterbahn nach unten rauschen. Seine Hände sahen so aus, wie auf diesem Foto hier.

Hände mit schälender Haut

»Ohh je, das wird schwierig werden«. Ich wusste, wie gemein die Kinder im Lager sein konnten, zumal Carl auch noch einer der jüngeren Kinder war. Eh ich mich versehen hatte, war Carl schon zu den anderen Kindern gelaufen. Ich beobachtete ihn, da ich davon ausging, dass bei den Wanderungen keines der Kinder seine Hand halten wollen würde.

Nun, die Woche fing gut an. Bei den Wanderungen hielt ich Carls Hand die meiste Zeit. Er liebte das. Die anderen Kinder machten sich über seine Hände lustig. Carl indes schien das überhaupt nichts auszumachen. Andere Kinder wären am Boden zerstört gewesen.

Gegen Mitte der Woche stellte ich fest, dass Carl einen sehr guten Freund gefunden hatte. Die beiden waren unzertrennlich, hatten eine tolle Zeit und hielten sich bei den Wanderungen an den Händen. Carl war glücklich wie eh und je, der andere Junge auch.

Ich war mehr als erstaunt und fragte Carl in einer ruhigen Minute, wie er das geschafft hatte.

Er erklärte mir:

»Mir ist es völlig egal, wenn andere Kinder sich über meine andersartigen Hände lustig machen. Ich habe eben nur diese Hände und möchte mit solchen Kindern nichts zu tun haben. Ich frage jedes Kind, ob es eine meine Hand halten möchte. Und wenn ein Kind ja sagt, dann weiß ich, dass es cool ist. Dieses Kind beurteilt mich nicht nach meinen Händen. Daher weiß ich dann, dass wir Freunde sein können. Und selbst, wenn viele Kinder nein sagen… die guten Kinder fragen mich immer, ob ich ihr Freund sein will.«

Wow! Ich war so gerührt von der Weisheit dieses kleinen Jungen, dass mir die Tränen in den Augen standen. Wie auch immer seine Mutter es geschafft, dass Carl eine solche weise Sicht auf die Dinge bekommen hat… ich zolle ihr meinen größten Respekt.

Die Moral der Geschichte:

Du bist, wer Du bist. Lerne Dich zu lieben und anzunehmen. Vielleicht wirst Du nicht viele, dafür aber die richtigen Freunde haben.

Wir können nicht immer darauf hoffen, dass uns andere so akzeptieren wie wir sind. Die Welt ist voller Menschen, die von anderen akzeptiert werden wollen. Um das zu erreichen, verbiegt sich manch einer so weit, dass er gar nicht mehr er selbst ist. Andere wiederum kokettieren damit. Beste Beispiel: Greta Thunberg sieht ihren Andersartigkeit (Asperger-Autismus) als Geschenk.

Man wird für seine Andersartigkeit nur so lange gemieden, bis man irgendwann als Mensch für den Umgang damit bewundert wird…

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