Ursachen für Mobbing am Arbeitsplatz

Die Ursachen für Mobbing sind vielseitig. Es gibt nicht den typischen Auslöser für Mobbing oder das typische Mobbingopfer. Mobbing kann jeden treffen.

Oftmals In der Ausgangslage liegt ein personalisiertes Problem vor. Es besteht keine Bereitschaft, den eigentlichen Konflikt sachlich zu lösen oder einen Kompromiss einzugehen. Stattdessen wird das Problem an einer Person festgemacht.

Diese wird dann als Blockierer oder Störenfried mit einer mangelnden Lösungsbereitschaft festgemacht. Die Person steht damit stellvertretend für das Problem und wird mit ihm gleichgesetzt.

Glücklicherweise werden die meisten Probleme in der Arbeitswelt sachlich und konstruktiv gelöst. Es gibt jedoch gewisse Nährböden, die Entstehung und die Ursachen von Mobbing in ihrer Entwicklung begünstigen. Diese sind im betrieblichen Umfeld, der Persönlichkeit des Gemobbten und des Mobbers sowie dessen Motive zu finden.

Merkmale des Mobbingopfers

Auch wenn jeder Mobbing zum Opfer fallen kann, können gewisse Persönlichkeitsmerkmale das Auftreten von Mobbing begünstigen. Dieser Ansatz geht in die Richtung, dass gewisse Personen durch ihre Charakterzüge oder Anderssein einfach mehr Angriffsfläche für die Durchführung von Mobbing bietet. Vereinfacht gesagt: Wer aus der Gruppe heraussticht, kann einfacher fertig gemacht oder ausgegrenzt werden.

Anderssein des Mobbingopfers durch:

  • Geschlecht
  • Alter
  • Leistungsvermögen (z.B. Leistungsträger oder Underperformer)
  • Kulturelle Herkunft und Religion
  • Sexuelle Orientierung
  • Lebensstellung (Opfer lebt privat ein komplett anderes Leben als seine Kollegen und nur wenig bis keine Gemeinsamkeiten)
  • Andersdenken
  • Individualisten oder Einzelgänger (sich Gruppenzwang und Gruppennorm entziehend)

Weitere Ursachen für Mobbing können in einer mangelnder Konfliktfähigkeit des Opfers liegen. Diese kann sich aus den nachfolgenden Persönlichkeitsmerkmalen ergeben.

Persönlichkeitsmerkmale des Mobbingopfers:

  • Hohe Sensibilität (Opfer reagiert auf Kritik sehr empfindlich und ist dadurch geschwächt)
  • Schwaches Selbstbewusstsein (Opfer traut sich nicht zur Wehr)
  • Mangelhafte Resilienz (emotionale Stärke auf Herausforderungen und Belastungen flexibel zu reagieren)
  • Mangelnde Konfliktfähigkeit (z.B. Fehler werden nur bei anderen gesehen oder Unfähigkeit, sachlich zu bleiben)

Warum mobbt der Mobber?

Die Ausübung von Mobbing ist eine Charakterfrage. Zur Ausübung von seelischer Gewalt muss der Mobber über eine destruktive Persönlichkeitsstruktur verfügen. Im Gegensatz zum Opfer hat es der Mobbingtäter in der Hand, ob er das Problem an einer Person festmachen will oder ob er es eigenverantwortlich auf sachlicher Grundlag löst.

Persönlichkeitsmerkmale des Mobbingtäters:

  • Geringes Selbstbewusstsein (traut sich nicht den Konflikt offen anzusprechen)
  • Fehlende Moral und Unrechtsbewusstsein
  • Streben nach Dominanz (aufgrund eigener Schwäche oder Minderwertigkeitskomplexen)
  • Sadismus (Spaß daran zu haben, andere zu quälen und fertig zu machen)

Motive des Mobbers:

  • Unzufriedenheit mit eigener Position (Schuld wird im Mobbingopfer gesehen)
  • Angst um den eigenen Arbeitsplatz (Opfer wird als Bedrohung gesehen)
  • Geltungssucht (sich auf Kosten anderer profilieren)
  • Rachsucht (es dem Opfer heimzahlen zu wollen)
  • Neid, Missgunst, Konkurrenz

Motive bei Mobbing durch den Vorgesetzten:

  • Fehlende Führungskompetenz (ist mit seinen Problemen überfordert und versucht diese mit Gewalt zu lösen)
  • Machtbessesenheit (fühlt sich von Andersdenkenden und fachlich überlegenen Mitarbeitern provoziert)
  • Exempel statuieren (das Opfer wird sichtbar fertig gemacht. Damit erhalten andere eine deutliche Warnung, was bei unerwünschten Verhalten passieren kann)
  • Sündenbock benutzen (zum Kaschieren von eigenen Fehlern)
  • Kostenaspekte: Bossing ist billiger als sozialverträglicher Personalabbau

Neben den hier geschilderten Persönlichkeitsmerkmalen und Motivation für Mobbing ist die Bewusstseinsstufe / Reife des potentiell Mobbenden ebenfalls von hoher Relevanz. Wer Probleme an einzelnen Personen festmacht, will oder kann das große Ganze nicht erkennen.

Mit zunehmender Lebenserfahrung reift die Einsicht, dass Probleme selten an einem einzelnen und einfachen Grund festzumachen sind. Hinzu kommt, dass Fehler oftmals auf Informationsdefiziten oder simplen Missverständnissen beruhen. Menschen mit viel Lebenserfahrung voreilige und falsche Verurteilungen in ihrem Leben mehrer Male selber durchgemachen. Durch solche Erfahrungen gehen sie mit einem ganz anderen Bewusstsein an Konlfikte und Probleme heran.

Das betriebliche Umfeld als  eine der Ursachen für Mobbing

Die betriebliche Umgebung und Unternehmenskultur zählen zu den wesentlichsten Faktoren, in welchem Umfang Mobbing überhaupt stattfinden kann. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter wertschätzen, pflegen eine offene Kommunikationskultur und sind um eine sachliche Lösung von Konflikten bemüht. Im Idealfall funktioniert ein solches Unternehmen wie eine intakte Großfamilie, in der sich potentielle Mobbingopfer an verschiedener Stelle Hilfe holen können. Das Potenzial für Mobbing ist in solchen Umgebungen gering. Kommt es tatsächlich zu einer Personalisierung von Problemen, werden diese in der Regel für alle Beteiligtenverträglich gelöst.

Dies kann sich jedoch durch immer ambitioniertere Wachstumsziele, Konkurrenzdruck oder durch das aus zu schnellem Wachstum ergebende strukturelle Chaos ändern. Im Unternehmen fängt es an zu kriseln. Man holt sich dann mitunter Sanierer oder harte Kerle ins Haus und verändert damit die Unternehmenskultur. Mit steigendem Druck, Stress und der Notwendigkeit zu Umstrukturierungen steigt auch auch das Potenzial für Mobbing.

Letztlich haben die oben beschriebenen destruktiven Persönlichkeitsmerkmale in einem feindseeligen bzw. stark konkurrenzbetonten Umfeld eine höheres Potenzial ausgelebt zu werden.

Betriebliche Faktoren als Ursachen für Mobbing:

  • Stress (hohe Arbeitsbelastung, unsicherer Arbeitsplatz)
  • Mangelnde Transparenz (Konkurrenz- und Grabenkämpfe)
  • Fehlende Wertschätzung der Mitarbeiter
  • Mangelhafte Kommunikations- und Fehlerkultur
  • Wenige Selbstverwirklichungsmöglichkeiten
  • Eintönige Arbeit (Mobbing aus Langweile)
  • Destruktive Personalpolitik (z.B. Hire & Fire)

Last but not least... Eine lebhafte Diskussion "Warum mobben Menschen" findet sich auf der Wunschschmiede.

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