Was ist Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing ist in vieler Leute Munde. Wie schön wär es da, wenn alle vom gleichen sprechen würden. Eine einheitliche und offiziell anerkannte Definition für Mobbing am Arbeitsplatz gibt es bisher jedoch nicht.

Grund hierfür ist, dass Mobbing keine einzelene Handlung oder Tatbestand an sich ist. Mobbing ergibt sich erst aus einer Abfolge von Handlungen und dem daraus resultierenden Gesamtzusammenhang.

Definition Mobbing am Arbeitsplatz:

Es ist schwer, Mobbing greifbar zu machen. Allerdings beste besteht eine gewissen Einigkeit, was es beinhaltet und welche Zielsetzungen mit Mobbing auf der Arbeit verfolgt werden. Die zurzeit anerkannteste Begriffserklärung liefern Esser & Wolmerath. Demnach ist:

Mobbing ein Geschehensprozess in der Arbeitswelt, „in dem destruktive Handlungen unterschiedlicher Art wiederholt und über einen längeren Zeitraum gegen Einzelne vorgenommen werden, welche von den Betroffenen als eine Beeinträchtigung und Verletzung ihrer Person empfunden werden und dessen ungebremster Verlauf für die Betroffenen grundsätzlich dazu führt, dass ihre psychische Befindlichkeit und Gesundheit zunehmend beeinträchtigt werden, ihre Isolation und Ausgrenzung am Arbeitsplatz zunehmen, dagegen die Chancen auf eine zufriedenstellende Lösung schwinden und der regelmäßig im Verlust ihres bisherigen beruflichen Wirkbereichs endet.” (Definition Mobbing nach Esser & Wolmerath, 2011)

Kernpunkt systematisches Vorgehen

Kernpunkt bei der Bestimmung von Mobbing am Arbeitsplatz ist das systematische Vorgehen des Mobbingtäters, mit dem eine gezielte Ausgrenzung oder das Herausekeln des Mobbingopfers erreicht werden soll.

Genau hier kommt der zeitliche Verlauf und die Summe der Mobbinghandlungen zum Tragen. Einzelne Schikanen oder Diffamierungen reichen für sich allein gesehen zur Identifikation des Verhaltenmusters Mobbing meistens nicht aus. 

Das führt leider dazu, dass Mobbing am Arbeitsplatz erst dann erkannt bzw. dingfest gemacht werden kann, nachdem bereits erheblicher Schaden angerichtet worden ist.Genau aus diesem Grund führt Mobbing am Arbeitsplatz oftmals wie von Esser & Wolmerath beschrieben zum Jobverlust.

Hinzu kommt, dass bei Mobbing am Arbeitsplatz in der Regel ungleiche Machtverhältnisse bestehen. Das heißt, das Mobbingopfer ist dem Mobbingtäter normalerweise unterlegen. Dies kann durch unterschiedliche Stellung in der Hierarchie, besseres Vertrauensverhältnis zum Chef oder in der schlichten zahlenmäßige Überlegenheit der Mobbingtäter gegeben sein. Selbst wenn man Mobbing rechtzeitig erkennt, fällt es dadurch dem Opfer schwer sich gegen das geschehene Mobbing zu wehren.

Juristische Einstufung von Mobbing in Deutschland

Mit dem Urteil vom 25.10.2007, 8 AZR 593/06 hat das Bundesarbeitsgericht entschieden, dass der Tatbestand der Belästung aus §3 Abs. 3 AGG maßgeblich dafür ist, ob man von Mobbing reden kann. Mobbing liegt demnach vor,

  1. wenn unerwünschte Verhaltensweisen bezwecken oder bewirken, dass die Würde der betreffenden Person verletzt und ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.
  1. Ein solches Umfeld wird nicht durch einmalige Handlungen geschaffen. Entscheidend ist hierbei, dass die Verletzung sich aus vielen einzelnen und systematischen Handlungen zusammensetzen. 

Beispiele für Mobbing am Arbeitsplatz:

Es ist schwer die hinter dem Mobbing liegende Systematik rechtzeitig zu erkennen. Allerdings gibt es typische Mobbinghandlungen die das dahinterliegende Verhaltensmuster erkennen lassen.

Jemanden mundtot machen:

Dem Betroffenen wird die Möglichkeit genommen, seine Sicht der Dinge zu äußern. Das kann dadurch geschehen, dass er ständig unterbrochen wird oder ihm direkt ins Wort gefallen wird. Eine Steigerung hiervon sind Anschreien, Kontaktverweigerung, abwertende Gesten und Blicke.

Rufmord:

Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen. Es werden Gerüchte und Lügen in Umlauf gebracht, um ihn schlecht aussehen zu lassen. Weitere Spielarten sind in diesem Zusammenhang, jemanden nachzuäffen, sicher über ihn direkt, seine religiösen Ansichten, Nationalität oder sein Privatleben lustig zu machen. Dies kann auch direkt gegenüber dem Mobbingopfer in Form von Beleidigungen und sonstigen Angriffen auf das Selbstbewusstsein geschehen.

Einschränkung der Berufs- und Lebensqualität

Überforderungen und / oder Unterforderungen werden zum Aufbau von psychischen Druck auf das Mobbingopfer eingesetzt. Damit soll erreicht werden, dass die Arbeitsposition so abstßend wie möglich gemacht wird. Als weiteres Ziel wird versucht, das Können des Gemobbten in Frage zu stellen.

Unterbindung sozialer Beziehungen

Die absolute Ausgrenzung bis hin zur sozialen Isolation ist eine regelmäßig angewendete Mobbinghandlung. Mit dem Mobbingopfer wird einfach nicht mehr gesprochen und es bekommt auch keine Chance, mit anderen Kontakt aufzunehmen. Dies kann durch eine räumliche Versetzung bis hin zu einem Kommunikationsverbot erreicht werden.

Gesundheitsgefährdende Maßnahmen

Bei Mobber wählen normalerweise Psychoterror zur Ausgrenzung ihres Opfers. In besonders heftigen Fällen kann es jedoch auch zu Androhung und tatsächlicher Ausführung von Gewalt kommen. Sexuelle Handgreiflichkeiten sind diesem Bereich ebenfalls zuzuordnen.

Bei dieser extremen Form des Mobbings kommt es zu direkten Gesetzesverstößen. Darin dürfte auch der Grund liegen, warum zu solchen Maßnahmen normalerweise nicht gegriffen wird.

Die hier aufgezählten Punkte sind nur ein Auszug aus den in der Literatur bekannten über 100 typischen Mobbinghandlungen.  

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