VUKA Welt und ihre Auswirkung auf Mobbing

Zum Verständnis von Mobbing, dessen Auftreten und Auswirkungen ist ein Blick auf den aktuellen VUKA Zeitgeist hilfreich. Gern heißt es ja, dass früher alles besser war. Diesen Standpunkt vertrete ich nicht. 

In den vergangenen 20-25 Jahren hat es einen deutlichen Wandel gegeben. Durch Internet, Globalisierung der Märkte und zunehmender Gleichberechtigung hat sich die Welt in einigen Grundfesten geändert. Diese Entwicklungen haben auch einen erheblichen auf unsere Arbeitswelt.

Die Welt wird immer schnelllebiger

Durch das Internet stehen uns nahezu alle Informationen per Mausklick zur Verfügung. E-Mail ist im Geschäftsleben aufgrund seiner Geschwindigkeit und Anwenderfreundlichkeit das Standardkommunikationsmittel. Es ist so beliebt, dass wir mit elektronischer Post zugemüllt werden (und sei es nur, dass wir E-Mails in Kopie erhalten).

Mittlerweile ist E-Mail einigen nicht schnell genug.  Selbst in Unternehmen wird verstärkt auf Messenger oder Chatdienste zurückgegriffen. Prinzipiell könnte man auch einfach ein Telefon nutzen. Allerdings scheidet diese Möglichkeit aus, wenn man in einen der heute üblichen vielen Meetings sitzt.

Eine weitere Beschleunigung erfährt der Arbeitsalltag durch den Welthandel. Waren früher die Märkte abgeschottet, kann heutzutage die Konkurrenz plötzlich wie aus dem nichts erscheinen. Damit ist nicht gleich das Geschäftsmodell eines Unternehmens gefährdet. Allerdings müssen sich Unternehmen nun häufiger den Gegebenheiten anpassen und entsprechend umstruktuieren.

Die Welt ist abstrakter und komplexer geworden

Es ist heute keine Seltenheit, dass Abteilungen über mehrere Standorte oder gar Nationen verteilt sind. Organisationsstrukturen werden hierdurch naturgemäß komplexer. Eine noch überschaubare Matrixorganisation wie etwa Anfang der 2000er tut es nicht mehr. Heute ist man bereits bei 3D-Matrixorganisationen angelangt.

Hinzu kommt, dass die Welt durch  Dematerialisierung und Digitalisierung zunehmend abstrakter und komplexer geworden ist. Früher konnte man quasi jedes Produkt in den Händen halten. Damit ließen sich die Dinge im wahrsten Sinne des Wortes noch begreifen. Wie komplex manche Dinge geworden sind, lässt sich bei Autoreparaturen recht gut erkennen.

Das Problem ist, dass in manchen Branchen die Leute gar nicht mehr wissen, wofür sie eigentlich arbeiten. Eine Identifikation mit der Firma und eine Sinnerfüllung durch den Beruf wird damit freilich schwer.

Die Leistungsgesellschaft und der Jugendwahn

Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, die im globalen Konkurrenzkampf steht. Eine Folge hiervon ist, dass in besonders umkämpften Branchen die Manager zunehmend jünger werden. Das liegt zum einen daran, dass sie noch über ihre ganze Energie verfügen. Zum anderen sind junge Manager in ihrem Karrierebestreben weniger kritisch im Befolgen und schnellem Umsetzen von Unternehmensvorgaben.

Ein weitere Effekt der Leistungsgesellschaft ist, dass die wahrgenommene Leistung überdurchschnittlich bezahlt wird. Star-Manager von heute liegen bei ihren jährlichen Bezügen oftmals um mehr als Faktor 100 über dem durchschnittlichen Angestelltengehalt. 

Die Kehrseite dieser Entwicklung ist, dass sich manche Manager ausschließlich auf die für sie gewinnbringenden Zahlen konzentrieren. Damit wird das eigentlich Produkt der Firma und oftmals auch die eigene Belegschaft zur Nebensache.

Steigende Gleichberechtigung, Individualität und Single-Haushalte

Der Ausbau der Gleichberechtigung hat dazu geführt, dass mehr Frauen studieren und berufsstätig sind. Begleitet wird diese Entwicklung von einer Zunahme der Single-Haushalte und Abnahme der Geburtenrate. Beides hat eine Schwächung des Familienverbunds zur Folge. Gerade in schwierigen Zeiten (z.B. wenn man zum Mobbingopfer wird) ist die Familie als stabilierenden und heilender Faktor von unschätzbarem Wert.

Welche Auswirkung haben diese Veränderung auf Mobbing am Arbeitsplatz?

In wirtschaftlich schwierigeren Zeiten (z.B. Rezession, hoher Wettbewerbsdruck) nimmt das innerbetriebliche Mobbing zu. Die Globalisierung und der damit steigende Wettbewerbsdruck fördert das Mobbing-Potenzial.

Wesentlich kritischer Stufe ich jedoch die Auswirkungen der Veränderungen auf die arbeitende Bevölkerung ein. Vor allem durch die Beschleunigung des Arbeitsalltags und der zunehmenden Komplexität haben wir nun eine Welt, die durch eine hohe Unsicherheit und Unberechenbarkeit gekennzeichnet ist.

Im Fachjargon wird die aktuelle Zeit auch als VUKA bezeichnet:

  • Variabilität: Wechselhaftigkeit, Instabilität, Schwanken
  • Unsicherheit: Ungewissheit, Unklarheit
  • Komplexität: viele Abhängigkeiten, Informationen müssen geordnet werden
  • Ambiguität: Informationen sind mehrdeutig, Entscheidungen sind schwer zu treffen

Die bedeutet letztlich für jeden einzelnen, dass er sich ständig neuen Gegebenheiten anpassen muss. Des weiteren ist nicht wirklich absehbar, wie die Dinge sich entwickeln werden. Damit wird das Leben insgesamt schwieriger plan- und berechenbarer.

In der Konsequenz bedeutet die VUKA Welt eine deutliche Zunahme des Stresslevels. Mobbinhandlungen treffen uns dann mitunter besonders hart, da wir durch den hohen Anpassungsdruck ohnehin schon geschwächt sind. Der fehlende familäre Rückhalt in der heutigen Single-Gesellschaft macht es dem Opfer für das Opfer schwer, sich von den Angriffen zu erholen. 

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